Deutschland schlägt Österreich in zweiter Verlängerung

8. Juni 2014, 13:00
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Hochspannung, kontroverse Schiedsrichter-Entscheidungen und ein sportlich würdiges Finale

Die österreichische Football-Nationalmannschaft hat den Titel bei der Heim-Europameisterschaft knapp verpasst. Das AFBÖ-Team unterlag am Samstag in einem spannenden Finale im Ernst-Happel-Stadion Deutschland mit 27:30 (17:17, 9:14) nach Verlängerung. Europameisterlich war die Kulisse: Rund 27.000 Zuschauer sorgten für einen Rahmen, der in Europa selten zuvor bei einem Footballspiel zu sehen war.

Es hat am Ende knapp nicht gereicht, und wieder stand Deutschland im Weg. Am Finaltag wartete ein Gegner, der noch eine Stufe über Dänemark und Frankreich zu stellen war, die Österreich in der EM-Gruppenphase in Graz relativ klar bezwungen hatte. Schon in der Anfangsphase wurde deutlich, dass sich die Gäste von dem mitunter ohrenbetäubenden Lärm im Happel-Oval nicht so leicht aus dem Konzept bringen lassen würden - Österreich zeigte hingegen Nerven.

0:14 binnen zwei Minuten

Zum Ende des ersten Viertel erwischte die Mannschaft von Coach Jakob Dieplinger zwei wahre Horrorminuten, die dem Titelverteidiger eine 14:0-Führung ermöglichten. Zunächst brachte ein missglückter Drive Deutschland in eine günstige Ausgangsposition, Quarterback Marco Ehrenfried nützte das mit einem Touchdown-Pass auf Niklas Römer aus (10.). In der 11. Minute trug Maximilian Wild den Ball nach einem Fumble von Receiver Thomas Haider in die Endzone.

Im Gegensatz zu den Partien gegen Dänemark und Frankreich, die vor allem über das Laufspiel gewonnen wurden, forcierte Quarterback Christoph Gross diesmal das Spiel mit tiefen Pässen - was anfangs jedoch nicht so gut klappte. Durch ein Field Goal von Christopher Kappel zum 3:14 gelangen aber im zweiten Abschnitt immerhin die ersten Punkte (22.). Ein Ballgewinn von Cornerback Andreas Lunzer durch einen abgefangenen Pass brachte die AFBÖ-Auswahl kurz vor Ende des Viertels dann in eine gute Feldposition. Gross fand Laurinho Walch mit einem 19-Yards-Pass in der Endzone - weil der Kick zum Extrapunkt sein Ziel verfehlte, ging es mit 9:14 aus der Sicht von Österreich in die Kabinen.

Starkes drittes Viertel

Im dritten Viertel hatte die Heimmannschaft ihre Nervosität komplett abgelegt und arbeitete sich Stück für Stück nach vorne, während die Defense die deutschen Angriffe mit einer weiteren Interception bremste. In Minute 36 trug Runningback Andreas Hofbauer den Ball bis an die 2-Yard-Linie, Philipp Margreiter wuchtete sich mitsamt dem Spielgerät zum 15:14 über die Linie. Die anschließende Two-Point-Conversion besorgte Quarterback Gross selbst - 17:14 für Österreich zehn Minuten vor Spielende (38.). Deutschland steckte aber nicht auf und glich durch ein Field Goal aus (44.).

In den letzten drei Minuten mussten die Zuschauer bei einem weiteren gefährlichen Angriffsversuch der Deutschen zittern. Zwei Raumstrafen und eine gute Deckungsarbeit verhinderten jedoch Schlimmeres. Nach dem deutschen Punt startete Österreich den letzten Drive an der eigenen 6-Yard-Linie, erlaubte sich aber keinen Fehler mehr und spielte die Uhr bis zur Verlängerung herunter.

Umstrittener Auftritt der Schiedsrichter

Dort begann Deutschland mit dem Angriff und schrieb durch Römer an, auch der Extrapunkt war gut. Österreich war daraufhin unter Zugzwang, schaffte aber durch einen Pass von Christian Steffani auf Gross und einen Kappel-Kick via der linken Stange den Ausgleich zum 24:24. Im folgenden Drive entschloss sich die Dieplinger-Truppe zu einem Field Goal, das Kappel zum 27:24 verwertete. Die Deutschen rückten anschließend aber bis an die 1-Yard-Linie vor, wo letztlich Niklas Römer mit seinem dritten Touchdown die Partie entschied. Den letzten deutschen Versuchen vorausgegangen war eine von mehreren kleinlich anmutenden Strafen wegen unsportlichen Verhaltens gegen Österreich (einmal auch gegen Deutschland), die im Stadion noch für heftige Diskussionen sorgte.

"Unsportliches Verhalten"

Der letzte deutsche Drive wurde nur durch ein Foul wegen unsportlichen Verhaltens am Leben erhalten, der Titelverteidiger bekam drei neue Versuche zugesprochen. Verteidiger Ramon Azim habe sich zu intensiv über den Stopp eines gegnerischen Angriffs gefreut.

Für den Tatbestand "unsportliches Verhalten", den Schiedsrichter Keith Wickham und seine Kollegen in diesem Fall erfüllt sahen, gibt es keine genaue Definition. Den Referees bleibt ein relativ breiter Ermessensspielraum.

"Es tut sehr weh, wenn man so knapp dran war. Ich hätte es den Spielern so gegönnt", sagte Teamchef Dieplinger. "Gleichzeitig bin ich aber sehr stolz auf die Mannschaft und auf das, was wir erreicht haben."

Teamchef: Keine Ausreden

Einer gesteigerten Nervosität ob der großen Kulisse wollte der Tiroler die anfänglichen Schwierigkeiten nicht zuschreiben. "Das war kein Problem. Eher waren wir nach dem Frankreich-Spiel vielleicht noch nicht ganz ausgeruht."

Die Schiedsrichter-Entscheidungen wollte Dieplinger nicht kommentieren. "Es hat fragwürdig ausgesehen, aber wir müssen die Fehler bei uns suchen. Wir hätten davor den Sack zumachen können, haben das aber verabsäumt."

Für den österreichischen Football-Verband bedeutet die EM-Silberne dennoch den bisherigen Höhepunkt einer sukzessiven Erfolgsgeschichte, die 2006 ihren Anfang nahm, als man das Nationalteam nach fünfjähriger Pause wiederbelebte. Besonders das Finale war Werbung für den Sport, die 27.000 Zuschauer waren die bisher größte Kulisse für ein Football-Spiel in Österreich. (APA/red, 8.6.2014)

ERGEBNISSE der Platzierungsspiele der American-Football-EM in Österreich am Samstag in Wien mit Endrängen:

Finale:

Österreich - Deutschland 27:30 n.V. (17:17,9:14)

Ernst Happel Stadion, 27.000 Zuschauer. Scores Österreich: FG Kappel (21.), TD Walch (24.), TD Margreiter (38.), 2PT Gross (38.), TD Gross (OT), EP Kappel (OT), FG Kappel (OT)

Spiel um Platz 3:

Frankreich - Finnland 35:21 (14:7)

Bereits am Freitag, Spiel um Platz 5:

Schweden - Dänemark 24:17 (9:3)

Endklassement: 1. Deutschland - 2. Österreich - 3. Frankreich - 4. Finnland - 5. Schweden - 6. Dänemark (Absteiger in die B-EM)

  • Knapp ging es her, am Ende war Deutschland den Tick besser - und glücklicher.
    foto: apa

    Knapp ging es her, am Ende war Deutschland den Tick besser - und glücklicher.

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