Die Lösung gegen die Angst, etwas zu verpassen 

7. Juni 2014, 17:04
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Immer online, ständig auf Facebook und der minütliche Blick aufs Smartphone - ein simpler Denkansatz könnte helfen. 

Ständig online, im Minutentakt sämtliche Social Media-Kanäle durchforsten und der dauernde Blick aufs Smartphone. Die Angst, etwas zu verpassen plagt im Zeitalter von Facebook, Twitter & Co. immer mehr Menschen. Einer britischen Studie zufolge sollen 56 Prozent aller Social Media-User von diesem Phänomen betroffen sein.

Verwechseln Facebook-Freunde mit echten Freunden

Die Soziologin und Professorin für Science, Technology and Society am “Massachusetts Institute of Technology“ Sherry Turkle sagt, dass Technologie immer mehr angibt, wie wir Intimität definieren. Laut Turkle würden immer mehr Menschen “Freunde“ in sozialen Netzwerken mit den eigentlichen Freunden aus dem echten Leben verwechseln, weshalb echte und wichtige Beziehungen mit Partner, Freunden und den eigenen Kindern immer mehr in den Hintergrund geraten. Mit jedem, jederzeit vernetzt zu sein ist laut der Soziologin eine neue Erfahrung, mit der wir Menschen noch nicht umgehen können.

Problem besonders bei Jugendlichen

Einer Oxford University-Studie zufolge soll die Angst, etwas zu verpassen überhaupt die treibende Kraft hinter Social Media sein. Besonders Jugendliche wären von FoMo (Fear of missing out something: Die Angst, etwas zu verpassen) betroffen, hauptsächlich Männer. Die 2013 veröffentlichte Studie zeigte außerdem, dass das Phänomen überhaupt bei Menschen auftritt, die unerfüllte, psychologische Bedürfnisse wie Liebe, Respekt, Selbstständigkeit und Sicherheit aufweisen.

Menschen würden eher auf Sex und Essen als auf Social Media verzichten

Von den sozialen Netzwerken wegbleiben ist für viele jedoch auch keine Option. Laut einer Studie der University of Chicago würden Menschen durch eigene Willenskraft eher auf Essen und Sex verzichten, als auf soziale Netzwerke. Hier betrug die Durchfallquote rund 42 Prozent.

Lösungsansatz

Eine direkte Lösung für das Phänomen gibt es nicht, der simple Denkansatz des Nobelpreisträgers Herbert Simon könnte jedoch zumindest für Milderung sorgen. Simon geht nämlich davon aus, dass wir Menschen nicht die kognitiven Fähigkeiten haben, den komplexen Entscheidungsvorgang zu optimieren. Wir sollten uns daher also lieber mit dem abfinden, was gut genug ist. Menschen, die sich ständig verbessern wollen, neigen nämlich dazu sich eher mit anderen zu vergleichen, was schlussendlich negative Folgen hat.

“Gut genug“-Ansicht

Die “Gut genug“-Ansicht wäre demnach bei dem FoMo-Phänomen das beste Gegenmittel. Und all jene Menschen, die davon getrieben sind, sollten sich die Worte des amerikanischen Poeten Ralph Waldo Emerson im Hinterkopf behalten: “Bei all dem, was du verpasst hast, hast du etwas anderes bekommen und für alles was du bekommen hast, hast du etwas anderes verloren“. (red, derStandard.at, 07.06.2014)

  • Immer online, ständig auf Facebook und der minütliche Blick aufs Smartphone - ein simpler Denkansatz könnte helfen.
    foto: ap/hu

    Immer online, ständig auf Facebook und der minütliche Blick aufs Smartphone - ein simpler Denkansatz könnte helfen.

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