Ägypten: Prozess gegen deutsche Probensammler gestartet

7. Juni 2014, 17:02
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Prozess wurde nach wenigen Minuten vertagt - Deutsche sind bereits ausgereist und nicht anwesend

Kairo - Wegen eines umstrittenen Forschungsprojekts an der weltberühmten Cheops-Pyramide wird in Ägypten drei Deutschen der Prozess gemacht. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen begann am Samstag in Kairo die Gerichtsverhandlung gegen einen Experimental-Archäologen aus Chemnitz sowie gegen zwei seiner deutschen Begleiter und sechs Ägypter. Nach wenigen Minuten wurde die Sitzung unterbrochen.

Der Prozess wurde auf den 14. September vertagt. Den Angeklagten wird vorgeworfen, unerlaubt Proben aus Kammern der Pyramide entnommen und nach Deutschland gebracht zu haben. Die Sitzung begann in Abwesenheit der Deutschen, die längst ausgereist sind. Die beschuldigten Ägypter sind als mutmaßliche Helfer in Untersuchungshaft. Ihre Anwälte baten kurz nach Prozessauftakt um etwas mehr Zeit, weil sie die Akten noch durchgehen wollten. Einer der Angeklagten - ein Reiseunternehmer - soll den Deutschen die Genehmigung besorgt haben, Kammern in der Pyramide zu betreten, die eigentlich für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Bei den anderen Beschuldigten handelt es sich um Kontrolleure der Altertümerverwaltung und Wächter.

Der Chemnitzer Dominique Görlitz war im April 2013 gemeinsam mit dem Buch-Autoren Stefan Erdmann nach Kairo gereist, um in einer Kammer des Weltwunders der Antike auf dem Plateau von Giseh (ca. 2.620 bis 2.580 v. Chr.) Proben zu entnehmen.

In den für die Öffentlichkeit gesperrten Räumen kratzten sie Farbreste ab und entnahmen Gesteinsproben, die sie anschließend zur Laboruntersuchung in Dresden abgaben. Görlitz bestreitet den Vorfall nicht. Er sei sich jedoch keiner Schuld bewusst, da er zuvor eine Erlaubnis für den Besuch der Pyramide eingeholt habe.

Empörung in Ägypten

Der Fall hatte in Ägypten für große Empörung gesorgt. Das Altertümerministerium drohte damals, Interpol einzuschalten und eine Auslieferung der Deutschen zu beantragen. Nun sollen wenigstens die entnommenen Proben zurück ins Land kommen. Wie aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zu hören ist, liegt ein Ersuchen der ägyptischen Behörden vor. Gemeinsam mit der zuständigen Staatsanwaltschaft sei das Ministerium um eine schnellstmögliche Rückführung bemüht.

Der Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo, Stephan Seidlmayer, kritisierte die Entnahme der Proben durch die Deutschen harsch. Nach den vorliegenden Informationen handle es sich bei ihnen um Touristen, die "eines der bedeutendsten Denkmäler der Menschheit in vollkommen sinnloser und verantwortungsloser Weise beschädigt haben", sagte er und betonte: "Es wäre wichtig, dass auch in Deutschland die Möglichkeiten einer strafrechtlichen Verfolgung ausgeschöpft werden." (APA, 7.6.2014)

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