California Chrome galoppiert um die Krone

6. Juni 2014, 20:03
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Die märchenhafte Chance für einen billigen Feschak

New York / Wien - Die Geschichte klingt wie ein Märchen. Da kaufen zwei nicht sehr betuchte US-Amerikaner eine günstige Stute, werden dafür als "dumbass" (Vollpfosten) verunglimpft und nennen ihren Stall prompt ebenso. Sie lassen ihre Stute von einem billigen Hengst um 2500 Dollar decken. Das Produkt, ein Fuchshengst mit einer weißen Blesse und vier weißen Beinen sieht nicht nur gut aus, er kann auch flott laufen. Der Trainer, der im Frühjahr 2013 noch schmunzelte, als ihm California Chrome als künftiger Derbysieger vorgestellt wurde, hat mit ihm inzwischen nicht nur das Kentucky Derby, sondern auch die Preakness Stakes gewonnen, das zweite Rennen der Triple Crown der US-Galopper. Ja, und fast 3,5 Millionen Dollar an Preisgeldern.

Am Samstag geht es nun in den Belmont Stakes in New York um den dritten Streich - der ist seit 1978, seit Affirmed, keinem Pferd mehr gelungen. Dies, weil das Rennen im Gegensatz zum Kentucky (2000 Meter) und zum Preakness Stakes (1900 m) über die klassische Derbydistanz von 2400 m geht, also neben Speed auch besondere Ausdauer verlangt, um die notwendige gute Position während des Rennens zu erobern. Da ist auch Jockey Victor Espinoza gefordert. Der zweite wichtige Faktor: Die Triple Crown wird innert fünf Wochen gelaufen, was einen gezielten Aufbau nicht leicht macht. Seit dem Jahr 2000 haben sieben von 14 Belmont-Sieger das mittlere Rennen der Crown ausgelassen, wurden also systematisch vorbereitet. Ob unter diesen Umständen California Chrome seiner Favoritenrolle (3:5) gerecht werden kann? Das wäre märchenhaft. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD - 7.6. 2014)

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