Dutzende afrikanische Flüchtlinge vor Jemens Küste ertrunken

6. Juni 2014, 19:39
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Seit Jahresbeginn das schwerste Unglück mit afrikanischen Flüchtlingen

Genf/Sanaa/Rom - Beim bisher schwersten Flüchtlingsunglück in diesem Jahr in der Region sind vor der Küste des Jemen mehr als 60 afrikanische Flüchtlinge ertrunken. Bei den Toten handelte es sich um Somalier und Äthiopier, außerdem starben zwei jemenitische Besatzungsmitglieder, wie das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Freitag in Genf mitteilte.

Die Tragödie mit 62 Toten vor der jemenitischen Küste ereignete sich bereits am Samstag. Es ist seit Jahresbeginn das schwerste Unglück mit afrikanischen Flüchtlingen, die auf dem Seeweg den Jemen erreichen wollten. Das UNHCR erklärte, noch seien die genauen Umstände des Unglücks unklar. Demnach wurden die Leichen von örtlichen Bewohnern bestattet, nachdem sie in der Nähe der Meeresstraße Bab al-Mandeb angeschwemmt worden waren.

121 Menschen gestorben

Mit den 62 ertrunkenen Flüchtlingen vom Wochenende starben dem UNHCR zufolge in diesem Jahr bereits 121 Menschen bei dem Versuch, der Armut und Gewalt in ihren Ländern zu entkommen und über den Golf von Aden und das Rote Meer in den Jemen zu gelangen. Von dort aus wollen viele durch die Wüste weiter nach Saudi-Arabien.

In den ersten vier Monaten des Jahres gelang es laut UNHCR 16.500 Flüchtlingen, die jemenitische Küste zu erreichen. Das waren angesichts strengerer Kontrollen in Saudi-Arabien und der im Jemen verschlechterten Sicherheitslage deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum, als 35.000 Bootsinsassen den Jemen erreichten.

Viele der Flüchtlinge stammen aus Somalia, Äthiopien und Eritrea. Oft steigen sie in vollkommen überfüllte Boote. "Schmuggler haben Berichten zufolge Passagiere über Bord geworfen, um ein Kentern zu verhindern oder um nicht entdeckt zu werden", sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards vor Journalisten in Genf.

2.500 Menschen gerettet

Mit dem Flüchtlingsproblem kämpft auch die Europäische Union, in die viele Afrikaner über das Mittelmeer gelangen wollen. Die italienische Küstenwache griff zuletzt innerhalb von 24 Stunden rund 2.500 Menschen auf, wie die Marine am Freitag mitteilte. Allein das Transportschiff "San Giorgio" habe fast tausend Flüchtlinge aufgenommen, darunter 157 Minderjährige. Auch internationale Handelsschiffe hätten sich an den Rettungsaktionen beteiligt.

Die Marinefregatte "Bergamini" brachte 443 Menschen in einen sizilianischen Hafen. Der mutmaßliche Kapitän des Flüchtlingsbootes sei unter dem Verdacht des Menschenschmuggels festgenommen worden, erklärte die Marine. Die meisten Asylsuchenden, die in Italien eintreffen, starten ihre gefährliche Reise über das Mittelmeer in Libyen. (APA, 6.6.2014)

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