Ein Sympathler mit traurigen Aussichten

7. Juni 2014, 12:27
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Kugelgürteltier Fuleco ist das Maskottchen der Brasilien-WM

Eigentlich war die Idee genial. Das nördliche Kugelgürteltier, Tolypeutes tricinctus, ist von lustigem Aussehen, lebt ausschließlich in Brasilien und ist vom Aussterben bedroht. Als Biologen der brasilianischen Umweltorganisation Caatinga dem Fußballweltverband Fifa ihren Vorschlag für das offizielle Maskottchen der am Donnerstag anhebenden WM-Endrunde 2014 präsentierten, waren alle begeistert.

Trotz seines Panzers kann sich das bis zu zwei Kilogramm schwere und bis zu 45 Zentimeter lange Tier zusammenrollen und sieht dann wie eine Kugel aus - oder wie ein Fußball. Im September 2012 wurde Tatu-Bola, wie das Gürteltier auf Portugiesisch heißt, zum offiziellen Symbol der WM auserkoren und auf Fuleco getauft. Der Name setzt sich aus futebol (Fußball) und ecologia (Ökologie) zusammen.

Der sympathische Fuleco mit seinem blauen Panzer wurde weltweit begeistert aufgenommen und ist auf dem besten Weg, das erfolgreichste WM-Maskottchen aller bisherigen Zeiten zu werden. Kein Vergleich mit unglücklichen Vorgängern wie etwa dem hosenlosen Löwen Goleo der WM 2006 in Deutschland. Vielleicht auch deshalb ging von dort die üble Falschmeldung aus, dass Fuleco ein portugiesischer Slangausdruck für Hinterteil sei.

Für die Fifa bedeutet Fuleco jedenfalls ein einträgliches Geschäft. Rund 17 Euro kostet das Stofftier in seiner Normalausführung. In einer exklusiven und teureren Variante kann es sogar Musik machen. Der brasilianische Rockstar Carlinhos Brown hat einen eigenen Percussion-Sound für das Maskottchen entwickelt.

Rodrigo Castro, Direktor der Umweltorganisation und Erfinder von Fuleco, hoffte auf weltweite Unterstützung für seine Artenschutzkampagne. Doch alle Einahmen aus dem Verkauf gehen an die Fifa, Caatinga bekommt nichts. "Fuleco hat dem Gürteltier nicht genützt", sagt Castro deshalb enttäuscht. Immer wieder trat er mit der Fifa in Kontakt und bat auch den brasilianischen Verband CBF um Hilfe - bisher ohne Ergebnis

In den 1990er-Jahren war das nördliche Kugelgürteltier fast schon einmal ausgestorben. Im kargen Sertão im Nordosten Brasiliens ist das Fleisch des Insektenfressers sehr beliebt. Da sich Tatu-Bola bei Gefahr wie eine Kugel zusammenrollt und starr liegen bleibt, ist es leichte Beute. Aber auch die Abholzung vertreibt das Tier. "Wenn nichts passiert, wird es in 50 Jahren kein Kugelgürteltier mehr geben", sagt Castro. (Susann Kreutzmann - DER STANDARD, 7.6. 2014)

  • Für die Fifa bedeutet Fuleco ein einträgliches Geschäft, der Tierschutz geht leer aus.
    foto: reuters/wiegmann

    Für die Fifa bedeutet Fuleco ein einträgliches Geschäft, der Tierschutz geht leer aus.

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