Ins Bett wie John und Yoko

6. Juni 2014, 18:48
posten

Die Wiener Performancegruppe Toxic Dreams erinnert im Museumsquartier ab Dienstag an das berühmteste "Bed-In" aller Zeiten und überträgt es in unsere Gegenwart

Wien – Das Wetter am kommenden Dienstag soll strahlend werden. Gute Aussichten also für Yosi Wanunu und Kornelia Kilga, die dann am Abend gemeinsam ins Bett gehen wollen – unter freiem Himmel im Haupthof des Museumsquartiers. Bed Behaviour heißt diese Performance der Gruppe Toxic Dreams, die vom Tanzquartier Wien präsentiert wird.

Der Bezug zu dem berühmten "Bed-In for Peace" von John Lennon und Yoko Ono, das 1969 als Protest gegen den Vietnamkrieg in Amsterdam und in Montreal stattgefunden hatte, ist da Programm. Was übrigens auch gut zu dem von Festwochen und Tanzquartier gemeinsam gezeigten Coup Fatal unter der Leitung von Alain Platel passt, der auch am Dienstag im Burgtheater seine Uraufführung erfährt. Denn auch da geht es um die Frage nach Krieg und Frieden in einem nichteuropäischen Land: dem Kongo.

Anders als die brutalen Folgen der Kolonialisierung des Kongo sind die Bilder des "Bed-In for Peace" Teil des kollektiven kulturellen Gedächtnisses. Da dieses ohnehin an latenter Amnesie leidet, sorgt Toxic Dreams’ Bed Behaviour für eine Auffrischung. Und: Wanunu und Kilga transferieren mit ihrem Bed-In die immerhin 45 Jahre alte Botschaft von Lennon und Ono ins Heute.

Wobei sich die Frage stellt, ob dies heute in einer radikal veränderten und pornografisierten Gesellschaft noch geht – sich öffentlich ins Bett zu legen und so die Welt verändern zu wollen. Toxic Dreams ist da ein bisschen ironisch: "Können wir den neuen Krieg vom Schlafzimmer aus führen, die nächste Revolution im Pyjama planen?" Denn die 1960er sind endgültig vorbei. Der Begriff der Revolution ist genauso desavouiert wie jener der Utopie. Aber den einstigen Hit Give Peace a Chance, der bei den Bed-Ins entstanden ist, kann man sich downloaden. Immerhin. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 7./8./9.6.2014)

MQ Haupthof, 10.–12. 6., 18.00

www.tqw.at

  • Das Szenario von Toxic Dreams zeigt: Man ist auf den Spuren einer Methode zur Förderung der Friedfertigkeit.
    foto: mike stimpson

    Das Szenario von Toxic Dreams zeigt: Man ist auf den Spuren einer Methode zur Förderung der Friedfertigkeit.


Share if you care.