In der Schweiz stehen Kantone im Steuerwettbewerb

6. Juni 2014, 18:19
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Vermögende werden in sehr unterschiedlichem Maß zur Kasse gebeten

Bern - Wie werden in der Schweiz Vermögen besteuert? Die Antwort lautet wie so oft: Das ist von Kanton zu Kanton verschieden - eine Vermögenssteuer gibt es seit 1959 auf Bundesebene nicht mehr, sondern nur noch in den Kantonen.

Im Jahr 2010 erzielten Kantone und Gemeinden Steuereinnahmen von 64 Milliarden Franken (52 Mrd. Euro), die sich zu 90 Prozent aus Einkommens- und Vermögenssteuern zusammensetzten; der Bund erzielte umgerechnet rund 48 Milliarden Euro aus der Einkommenssteuer, der Mehrwertsteuer und weiteren Verbrauchssteuern und Zollabgaben, wie eine Zusammenstellung der Eidgenössischen Steuerverwaltung zeigt.

Da die Steuern kantonal unterschiedlich geregelt sind, herrscht zwischen den 26 Schweizer Kantonen ein scharfer Steuerwettbewerb, der noch verschärft wird dadurch, dass das Stimmvolk über die Steuergesetze und -tarife entscheiden kann - und sich an der Urne im Zweifelsfall oftmals für tiefere Steuern ausspricht. So werden Vermögen bis 100.000 Franken nur in vier Kantonen besteuert; erst darüber beginnt eine moderate Vermögenssteuer zu greifen, die zudem in fast der Hälfte der Kantone linear und nicht progressiv ausgestaltet ist (und somit höhere Vermögen nicht überproportional besteuert). Für eine Million Franken Reinvermögen waren im Jahr 2011 beispielsweise in Zürich rund 2000, in Bern rund 4000 Franken und in der Waadt 6500 Franken fällig; in Tiefsteuerkantonen wie Schwyz, Ob- und Nidwalden sind es demgegenüber nur gut 1000 Franken. Und wer zwei Millionen besitzt, wird in Basel oder Genf mit rund 13.000 Franken besteuert, während er im Steuerparadies Nidwalden nur ein Fünftel zahlen muss.

Zwei Aspekte der Vermögensbesteuerung sind in der Schweiz umstritten: die Pauschalbesteuerung für reiche Ausländer und das Thema Erbschaftssteuer.

Ein Volksbegehren fordert die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer für Vermögen ab zwei Millionen Franken. Die Initianten sind der Meinung, dass die tiefe Besteuerung die Konzentration der Vermögen in den Händen weniger Familien begünstige.

So hat das Wirtschaftsmagazin Bilanz errechnet, dass die Vermögen der 300 reichsten Schweizer sich innert 25 Jahren versechsfacht haben, von umgerechnet 70 auf 460 Milliarden Euro, während die unteren Klassen viel weniger zulegen konnten.

Die Pauschalbesteuerung von rund 5000 reichen Ausländern, die in der Schweiz nicht erwerbstätig sind und von vereinfachten und Steuerabkommen profitieren, ist in mehreren Kantonen inzwischen abgeschafft worden. (Klaus Bonanomi, DER STANDARD, 7.6.2014)

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