Die Fifa und die Gier

Kommentar7. Juni 2014, 12:00
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Nach Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe rund um die Fußball-WM in Katar sinkt das Vertrauen in den Weltfußballverband

600 Tänzerinnen und Tänzer trainieren bereits rund um die Uhr. Brasilien ist das Land der Tänzer, weltweit kennt man die Bilder vom Karneval. In fünf Tagen findet die feierliche Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft statt. Sie steht unter demselben Motto wie das gesamte Sportereignis: "All in one Rhythm". In einer halbstündigen Performance wird die Vielfalt Brasiliens dargestellt und hunderte Millionen Zuschauer weltweit werden das Spektakel via Fernsehen und Internet verfolgen.

Am 12. Juni um 15:15 Uhr geht die Eröffnungszeremonie los, die Uhrzeit ist ungewöhnlich. Rücksicht wird auf die Zuschauer in Europa genommen, für sie fällt das Event in die Prime-Time. Doch nicht nur dieser Termin wurde an europäische Fernsehgewohnheiten angepasst, alle wichtigen Spiele ab dem Viertelfinale finden dann statt, wann Fans aus Europa auch Zeit haben, vor dem Fernseher zu sitzen, nämlich am besten Sendeplatz mitteleuropäischer Zeit. Egal, dass es da in Brasilien erst Nachmittag ist und die Spieler einer enormen Hitze ausgesetzt sind.

Hinter Sportereignissen wie einer Fußball-Weltmeisterschaft steckt längst ein riesiges wirtschaftliches Interesse. Die WM in Südafrika 2010 zum Beispiel hat dem Weltverband Fifa einen Rekordumsatz beschert. Einnahmen in Höhe von drei Milliarden Euro verzeichnete die Fifa in ihrem vierjährigen Bilanzzeitraum von 2007 bis 2010. So viel wie nie zuvor.

Die Fifa tut auch einiges dafür, mit den Events Geld zu verdienen. Fahnder jagen derzeit in Brasilien den Produzenten von gefälschten Fanartikeln hinterher. Bereits mehr als zwei Tonnen haben die brasilianischen Behörden sichergestellt und vernichtet. Denn verkaufen darf die Maskottchen, Fahnen und Co. nur die Fifa.

Das ist freilich nur ein kleines Beispiel für jene Strategie der Fifa, die zunehmend unter Kritik gerät. Beobachter des Fußball-Sports bemerken schon länger eine beunruhigende Entwicklung: nämlich, dass die Fifa mehr und mehr nach Profit strebt. Ins Bild passt da auch das Ergebnis einer dänischen Studie aus dem Jahr 2011, die Gründe dafür suchte, warum die Veranstaltungsorte von Sportgroßereignissen immer öfter an sogenannte Entwicklungsländer vergeben werden. Das Ergebnis: sie streben nach weltweiter Aufmerksamkeit. Und sind daher auch eher bereit, tief in die Tasche zu greifen.

Doch die Gier nach Gewinn und Rekordeinnahmen könnte sich für die Fifa nun zum Nachteil entwickeln. Viel diskutiert wird derzeit nicht nur über den Austragungsort Brasilien, wo längst die Gegner der WM mit ihren Protesten und Forderungen nach der Errichtung von Krankenhäusern statt Stadien zum Mittelpunkt der medialen Berichterstattung geworden sind, sondern auch über Katar, wo die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 stattfinden soll.

Mit Katar verbindet man Ölscheichs, man weiß um die widrigen Arbeitsbedingungen und Persönlichkeitsrechte - etwa von Homosexuellen - werden dort im wahrsten Sinne des Wortes noch mit Füßen getreten.

Selbst der Fifa scheint nach und nach bewusst zu werden, dass ihr das Eis unter den Füßen zerrinnt. Versuchte man zuerst noch wegen der hohen Temperaturen von Katar wegzukommen, kommt nun ein Bericht der "Sunday Times" gerade recht. Demzufolge soll der ehemalige katarische Sportfunktionär Mohamed bin Hammam fünf Millionen Dollar an Offizielle gezahlt haben, um sich deren Unterstützung für Katars WM-Bewerbung zu sichern.

Fünf Millionen Euro? Das ist natürlich ein Skandal, aber es ist eine vergleichsweise geringe Summe, wenn man sich die Gelder ansieht, die sonst noch bei einer WM fließen. Für die Fifa sind diese fünf Millionen aber möglicherweise der letzte Ausweg und ein schlagendes Argument dafür, die WM 2022 doch nicht in Katar stattfinden zu lassen.

Längerfristig wird sich der Weltfußballverband aber die Frage stellen müssen, ob er seine Strategie aufrechterhalten wird können. Der Vertrauensbruch ist längst da. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 7.6.2014)

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