Budgetsanieren ist geil! 

Kolumne6. Juni 2014, 17:00
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Wie Spindi unsere Staatsfinanzen wieder in Ordnung bringt

Eines muss man der ÖVP lassen: Prinzipienfest ist sie. Klarer als unser oberster Säckelwart, der sparsame Spindi, hätte niemand signalisieren können, dass sich die Schwarzen eher in beide Knie plus in einen Ellbogen schießen würden, als eine Vermögenssteuer zu akzeptieren.

Und dies auch ganz zu Recht! Schon hat nämlich Baumeister Lugner angekündigt, dass er sich ins Ausland absetzen wird, wenn die Millionärssteuer kommt. Eine gefährliche Drohung, ja ein nationaler Notstand, wenn Mörtel nach Liberia übersiedelte!

Dann würde nicht nur die Boulevardpresse um zig Seiten extrascharfer Mausi-, Spatzi- und Muschi-Berichterstattung umfallen, auch käme Österreichs Öffentlichkeit um den Hochgenuss des alljährlichen Rätselratens, welches Melonenwunder Randy Ritchie denn heuer wieder zum Opernball einladen wird.

Statt Millionärssteuer setzt Spindi auf das Freiwilligkeitsprinzip und bittet die Plutokraten in einem Tonfall, der offenbar an der knierutschenden Elendsdarstellung organisierter rumänischer Bettler geschult ist, um milde Spenden. Tapfer: Dass er seither in Millionärskreisen nur mehr „der Schnorrer aus der Johannesgasse“ genannt wird, nimmt Spindi selbstlos in Kauf.

Die Idee mit der freiwilligen Sanierung des Schuldenlochs, das uns der lustige Jörg und seine blauen Juxbrüder hinterlassen haben, ist jedenfalls grenzgenial. Hier ein paar weitere Vorschläge zur Verbesserung der Budgetsituation auf Freiwilligkeitsbasis;

  •  Die Kranken sollen freiwillig gesund werden und nicht uns mit frivolen Heilungskosten auf der Tasche liegen. Das Gesundheitsministerium werkt an einem Infofolder mit dem Arbeitstitel: "Kranksein ist sauteuer – erspar uns das!"
  • Jahrelang die teure schulische Infrastruktur in Anspruch nehmen: Muss das sein? Lieber gleich deppert bleiben und dafür das Bildungsbudget entlasten!
  • Nur Asoziale leben lange: Die Pensionisten wesen viel zu lange auf dem Rücken der Allgemeinheit dahin und bringen uns noch alle an den Bettelstab. Merksatz: Freiwillig früher sterben entlastet den Staatshaushalt.
  • Einführung einer freiwillig zu entrichtenden Kopulationssteuer mit einem je nach Lustgefühl ansteigenden, progressiven Steuersatz. Möglicher Werbeslogan: "Für Spindelegger komm ich immer wieder gerne." Weil: Nicht nur Geiz, auch das Budgetsanieren ist geil.

(Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 7./8./9.6.2014)

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