Linz lag einst an der Donau

6. Juni 2014, 18:10
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"An der Donau, Flussgeschichten einer Stadt" im Nordico Stadtmuseum Linz

Strandcafé, Fischmarkt, Hotels an der Lände: Linz hat eine Vergangenheit, die sich am Ufer der Donau abspielte. Mit dem Hochwasser 1954 war das zu Ende, Tausende mussten evakuiert werden, Familien wurden obdachlos, ein Trauma, von dem sich die Stadt und ihre Politiker bis heute nicht erholt haben. Der Fluss wurde gebannt, das Leben fand nicht mehr mit, sondern höchstens trotz der Donau statt.

Von Katastrophen wie dieser erzählt die Schau ebenso wie von massetauglichen historischen Ereignissen (die 16-jährige spätere Kaiserin Elisabeth unterbrach immerhin in Linz ihre Brautfahrt), den Uferausbauplänen der Nationalsozialisten bis zu gegenwärtigen künstlerischen Projekten. Faszinierend ist, wie ob der Fülle an skurrilen Artefakten ein roter, besser gesagt ein blauer Faden durch die Ausstellung führt: Elegant zeichnet Elisabeth Kramer nicht nur den absinkenden Donauverlauf an den Wänden des Museums nach. Sie markiert unabhängig von Chronologie und Bedeutung alle Stätten entlang des Flusses: Vom Hafenbuffet über ehemalige Hotelschiffe in den 1940ern bis zum Kulturverein oder einer längst nicht mehr existierenden öffentlichen Waschzille entsteht so eine Mind-Map von Orten und Ereignissen entlang dieser 16,2 Kilometer Linzer Stadtgeschichte.

Neben Lithographien und Stichen, die den einstigen Verlauf der Donau zeigen oder künstlerischen Bearbeitungen der letzten 150 Jahre dokumentiert die Schau (Kuratoren Andrea Bina, Klaudia Kreslehner, Georg Thiel) aktuelle künstlerische, soziologische und architektonische Projekte. Die Ausstellung schafft so - mit etwa 150 Exponaten aus der Sammlung - einen Beitrag zu einer auch politisch aktuellen Diskussion. (wkh, DER STANDARD, 7./8.6.2014)

"An der Donau, Flussgeschichten einer Stadt": Nordico Stadtmuseum Linz, bis 26.10.

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