Die Unvollzogenen

Kolumne6. Juni 2014, 17:05
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Schuld und Sühne reloaded

Eine gute Ehe wird im Gegensatz zu einer nicht ganz so guten üblicherweise auch vollzogen. Jedenfalls anfangs.Wenn der Vollzug der Ehe im Idealfall also zur Erfüllung verhilft, verhilft der Vollzug der Strafe, also der Strafvollzug, zur Sühne. Manchen sogar zur Makellosigkeit. Das aber nur gesetzt den Fall, auf der richtigen Seite des Gitters, sozusagen auf der Strafvollzugsbutterseite gelandet zu sein.

Sogar auch dann noch, wenn man selbst als Justizwachebeamter auf Abwege geraten ist! Straffällige Strafvollzieher sind das, was auch andere gefallene Engel sind: durch den Sündenfall im Endeffekt näher zur Obrigkeit. So die Logik der Justizmühlen, die im Unterschied zu jenen Gottes manchmal auch recht hurtig mahlen, wenn es günstig ist.

Ein hochrangiger Justizwachebeamter soll etwa 2014 in eine Disco in Krumpendorf eingebrochen sein. Mit Schulden und rotsehend. Er wird erwischt, geständig und angeklagt, zaubert er ein Privatgutachten aus dem Hut, das ihm Unzurechnungsfähigkeit bestätigt.Vor Gericht hat man Verständnis für den vom Schicksal schwer Gebeutelten. Durch seine hochemotionale Reaktion sei er offenbar nicht in der Lage gewesen, die Folgen seiner Taten abzuschätzen. Es drängt sich nicht nur ein Vergleich zum Fall eines Kärntner Ex-Landeshauptmannes auf, der nachziehende Folgen und zuvorkommende Taten seiner Innenwelt nicht zuordnen konnte, sondern auch die Frage, warum manche der so klassifizierten Personen nicht besachwaltet werden, zu ihrer eigenen Sicherheit. Und andere Einbrecheraspiranten und Rotseher ihrer Gemütslage ungeschaut ins Gefängnis gehen. Wie man dieses Ungleichgewichtete der Gesellschaft schmackhaft machen möchte, die eine Gesellschaft mit beschränkter Haft und Haftung ist. Oder schon immer war.

Strafvollzieher vollziehen auf diese Art Straftaten quasi gratis als Schnupperkurs. Mit viel  Nachsicht könnte man das sogar als Fortbildung betrachten und die Qualifikationen des entsprechenden Beamten hochwertiger als vor dessen Sündenfall einstufen. Einer Gehaltserhöhung stünde dann nichts mehr im Wege. Da wäre sogar der Grund des Rotsehens aufgehoben.

Die Enthüllungen, die der Falter auf die Zivilgesellschaft loslässt, sind nicht leicht zu verdauen. Es ist wichtig, dass sich Whistleblower finden, die diverse Kisten in Florian Klenks Büro auftauchen lassen. Gerüchte ohne handfestes Beweismaterial sind nichts wert. Umso härter die Fakten, die unumstoßbar sind. Und wenn Klenk sagt, dass er nach den jüngsten, ihm zugespielten Fällen das Vertrauen in die Justiz zu verlieren beginnt, macht mir das Gedanken der unschönen Art. Dann sieht es für uns derzeit nicht rosig aus. (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 7./8.6.2014)

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