Wiener Wohnimmobilien um 22 Prozent überbewertet

6. Juni 2014, 13:43
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Anstieg um einen Prozentpunkt seit Ende 2013 - OeNB-Chefökonomin sieht österreichweit kein Überbewertungsproblem

Bei der erstmaligen Ermittlung ihres "Fundamentalpreisindikators" im vierten Quartal 2013 hatte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) für Wohnimmobilien in Wien eine Überbewertung von 21 Prozent festgestellt. Bei der Neuberechnung für das erste Quartal 2014 kam sie nun sogar auf 22 Prozent. Österreichweit gebe es jedoch kein Überbewertungsproblem, sondern weiterhin eine Unterbewertung in Höhe von acht Prozent.

Preisblase "nicht zwingend" wahrscheinlich

Die Immobilien-Überbewertung in Wien sei hoch, aber vergleichbar mit anderen europäischen Großstädten, sagte OeNB-Chefökonim Doris Ritzberger-Grünwald am Freitag. Seit dem Jahr 2005 hat sich der von OeNB und Technischer Universität Wien erhobene Wohnimmobilienpreisindex für Wien verdoppelt und für Österreich ohne die Bundeshauptstadt um mehr als ein Drittel erhöht.

Laut OeNB weisen starke Preisanstiege nicht zwingend auf eine Preisblase hin. Entscheidend sei, inwieweit die Preisanstiege aufgrund von Fundamentalfaktoren gerechtfertigt seien (unter anderem demografische Entwicklung, Wohlstandsniveau, Verfügbarkeit von Grund und Boden, erwartete Erträge aus Mieten). Erst wenn die Immobilienpreise über eine längere Zeit erheblich von den fundamental gerechtfertigten Preisen abweichen würden, könne von einer Blase gesprochen werden.

Internationaler Vergleich

Die Nationalbank hat sich im Rahmen ihrer aktuellen Konjunkturprognose andere Länder mit geplatzten Immobilienblasen angesehen: In den Niederlanden erreichte die Überwertung von Wohnimmobilien im dritten Quartal 2008 mit 26 Prozent ihren Höhepunkt. Seitdem gab es einen Preisrückgang von 18 Prozent. In Irland belief sich die Überwertung im Jahr 2007 auf 45 Prozent und in Spanien auf 30 Prozent. In Irland stürzten die Preise seitdem um 46 Prozent ab und in Spanien um 37 Prozent.

Für Großbritannien, wo die Häuserpreise 2013 um mehr als elf Prozent gestiegen sind, warnte der Internationale Währungsfonds am Freitag vor einer Immobilienblase. Bis jetzt gebe es zwar nur wenige Anzeichen für eine kreditgetriebene Blase, doch könne sich das sehr rasch ändern, hieß es im aktuellen Jahresbericht. Viele Immobilienkäufer würden sich zu stark verschulden. Die Kreditgeber müssten vorsichtiger werden.

Sieben Teilindikatoren

Der OeNB-Fundamentalpreisindikator für Wohnimmobilien setzt sich aus sieben Teilindikatoren zusammen. Die Haushaltsperspektive beinhaltet zwei Indikatoren zur Leistbarkeit von Wohneigentum. Die Investorenperspektive enthält zwei Indikatoren zur Rentabilität von Immobilieninvestments. Mit drei systematischen Indikatoren wird der Zusammenhang zwischen Immobilienmarkt und der Makroökonomie sowie Finanzstabilität erhoben. (APA/Reuters/red, derStandard.at, 6.6.2014)

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