Zwischen Marketinggag und Renditeversprechen

6. Juni 2014, 14:09
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Die Finanzbranche will mit der Fußball-WM Geld verdienen. Konsumentenschützer sehen WM-Sparprodukte aber kritisch 

Wien - In diesen Tagen wird in vielen Haushalten dieser Welt wohl eines gleich sein: Bier wird eingekühlt, der Chipsvorrat aufgestockt. Denn in wenigen Tagen heißt es "Anpfiff" - und dann flimmert einen Monat lang die Fußball-WM über die TV-Geräte. Viele Branchen versuchen, solch ein Großereignis für sich zu nutzen. Ob Lebensmittelangebote oder Kombi-Packs von TV- und Soundanlagen - spezielle WM-Angebote locken vielerorts.

Auch die Finanzbranche versucht, aus der Fußball-WM Kapital zu schlagen. Die US-Großbank JPMorgan etwa ist sich sicher, dass das Fußballfieber auf die Aktienmärkte übergreifen und gewieften Anlegern Profite bescheren werde. Zu den Tipps der Bank zählen die Aktien der größten Sportartikelhersteller Nike, Adidas und Puma. Ein Blick auf die Charts zeigt aber, dass sich etwa Nike in den vergangenen Monaten schon gut entwickelt hat. Die Frage ist daher, wie viel Luft nach oben in den Wochen der WM noch drinnen sein wird.

Adidas hat zuletzt eine Korrektur aufs Parkett gelegt, da könnten sich zumindest Chancen auf Wertsteigerungen ergeben. Puma hingegen hat sich in den vergange- nen Monaten seitwärts bewegt. Ein schneller Push nach oben ist daher ebenso fraglich. Die Sportmarken werden als Sponsoren von Mannschaften und Event zwar oft über die Bildschirme flimmern - ob sich mit dem Erfolg einer Mannschaft auch auf dem Kurszettel etwas tut, bleibt aber eine gewagte Wette.

Die Krux mit Extrachancen

Banken bieten zu sportlichen Großereignissen auch gerne Produkte mit Extrachancen an. Ein Rundruf des Standard zeigt, dass sich die heimischen Banken bei der Fußball-WM aber zurückhalten. "Einen Push im Produktverkauf bringt so ein Event nicht mit sich", heißt es. Auch wenn versucht wird, Brasilien und die Region Lateinamerika - samt dazugehörigen Produkten - schmackhaft zu machen. Österreich spielt im internationalen Fußball ja nur eine untergeordnete Rolle und ist bei der WM nicht dabei - Angebote auf unsere Kicker abzustimmen ist daher nicht möglich.

Anders ist das beispielsweise in Deutschland, wo die Banken sich mit Offerten überhäufen. Angebote, die oft an die Leistung der deutschen Nationalelf gekoppelt sind. Das Zauberwort dabei heißt "Bonuszinsen". Die Produkte funktionieren so: Es gibt für Sparprodukte einen Basiszinssatz für ein Jahr, der zumeist - gemessen am Niedrigzinsumfeld - gering ist. Aufgebessert wird der Zinssatz, wenn die deutschen Nationalspieler gut performen. Die Raiffeisenbank Oberteuringen etwa bietet bei ihrem Produkt einen Basiszins von 0,40 Prozent für ein Jahr an. Dieser Zinssatz steigt, je weiter die Mannschaft kommt. Erreicht Deutschland das Halbfinale, gibt es 0,70 Prozent; wird Deutschland Fußballweltmeister, bekommen Sparer 1,0 Prozent.

Bonuszins mit Zusatzchance

Andere Angebote sind kniffliger: Die Volksbank Strohgäu etwa bietet für das Erreichen des Viertelfinales 1,3 Prozent und 2,8 Prozent, wenn der Titel geholt wird. Gestartet wird aber von einer Basisverzinsung von 0,3 Prozent, und die Bonuszinsen hängen auch davon ab, dass ein Anleger auf das Ausscheiden der Mannschaft richtig getippt hat.

Konsumentenschützer stehen solchen Angeboten daher kritisch gegenüber. Viel Rendite sei damit nicht rauszuholen, heißt es etwa von der Stiftung Warentest, die 25 WM-Sparangebote unter die Lupe genommen hat. "Die meisten Finanzangebote zur Weltmeisterschaft sind reine Marketinggags", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz zur Welt.

Keine schnellen Gewinne

Auf lokale brasilianische Titel zu setzen ist aktuell ebenfalls ein Risiko. Die brasilianische Börse ist in den vergangenen Wochen um 20 Prozent gestiegen. Wer jetzt noch einsteigen möchte, muss sich wohl auf einen langen Investmenthorizont einstellen. Ein rascher Anstieg verbunden mit schnellen Gewinnen wird derzeit nicht erwartet. Im Oktober steht zudem die Präsidentenwahl an - da könnte es an den Märkten zu kurzfristigen Turbulenzen kommen, was für attraktive Einstiegsniveaus sorgen könnte - das wäre dann vielleicht eine zeitgerechte Vorbereitung für die Olympischen Sommerspiele, die 2016 in Rio de Janeiro ausgetragen werden.

Während die Chancen für einen Gewinn mit der Fußball-WM in Brasilien mittlerweile als eher gering eingeschätzt werden, können sich Anleger bereits auf die kommenden Weltmeisterschaften vorbereiten: Diese finden 2018 in Russland und 2022 in Katar statt. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 6.6.2014)

  • Ob Trachtenmode im Look der Nationalelf, Lebensmittelangebote oder Finanzprodukte: Jede Branche will ihr Stück vom WM-Kuchen.

    Ob Trachtenmode im Look der Nationalelf, Lebensmittelangebote oder Finanzprodukte: Jede Branche will ihr Stück vom WM-Kuchen.

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