Vodafone enthüllt riesiges Überwachungsprogramm 

6. Juni 2014, 12:09
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Der internationale Mobilfunker geht in die Offensive und spricht von "Live-Abhören" durch Regierungsstellen

Der in weltweit 29 Ländern tätige Mobilfunker Vodafone hat in einem neuen Transparenzbericht die massive Überwachung seiner 381 Millionen Kunden durch staatliche Stellen öffentlich gemacht. Die Veröffentlichung des Berichts einen Tag nach dem Jahrestag der Snowden-Enthüllungen dürfte kein Zufall sein.

Direkter Zugang, live mithören

Bislang ist noch kein Telekomprovider derart in die Offensive gegangen wie jetzt Vodafone: Der weltweit zweitgrößte Mobilfunker legt detailliert offen, wie Regierungsbehörden Telefonate von Vodafone-Kunden anzapfen. So sollen Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden mehrerer Staaten "direkte Verbindungen" ins Vodafone-Netzwerk eingerichtet haben, durch die sie live Gesprächen zuhören und diese aufnehmen können. Um welche Länder es sich handelt, ist derzeit nicht bekannt.

"Alptraumszenario"

Datenschützer haben die Enthüllungen laut "Time" ein "Alptraumszenario" genannt, das "die schlimmsten Befürchtungen bestätigt". Nach Installation der von Vodafone berichteten "Direct Access"-Systeme brauchen Regierungsbehörden keine richterliche Anordnung mehr, um auf Telefonate zugreifen zu können. Auch bei anderen Mobilfunkern sollen derartige Verbindungen eingerichtet worden sein.

Bisher nur vermutet

Vodafones Sprecher für Privatsphäre, Stephen Deadman, erklärt im "Guardian": "Wir rufen hiermit dazu auf, den direkten Zugang zu unseren Systemen zu unterbinden." Er bestätigt die Existenz solcher Verbindungen in mehreren Ländern, in denen Vodafone tätig ist. Bislang waren derlei Vorrichtungen nur vermutet worden, zuständig dafür sind laut "Zeit" "Angestellte" von Vodafone, die aber nicht mit dem Konzern über ihre Arbeit sprechen dürften, also von den betreffenden Regierungsstellen entsandt wurden.

Statistiken veröffentlicht

Der weltweit zweitgrößte Mobilfunker hat auch Daten über die von Vodafone registrierten Zugriffe bereitgestellt. Bei mehreren Ländern wie Ungarn, Katar und der Türkei erfolgten allerdings Schwärzungen, da die Veröffentlichung solcher Statistiken unrechtmäßig sei. Auch bei Ländern wie den USA und Australien müssen gewisse Zahlen zurückgehalten werden. Die meisten Zugriffe erfolgten scheinbar in Italien, wo 605.601 Anfragen an Vodafone eingingen. In Österreich ist Vodafone selbst nicht aktiv.

Update: A1 folgt Vodafone nicht

A1, Partner von Vodafone in Österreich, will in absehbarer Zeit selbst keinen derartigen Transparenzbericht veröffentlichen. Konzernsprecher Peter Schiefer wies darauf hin, dass A1 in der Vergangenheit mehrmals die Vorratsdatenspeicherung direkt kritisiert habe, aber laut Gesetzeslage selbst keine Daten zu Anfragen veröffentlichen dürfen. Auch bezüglich internationaler Konzerngesellschaften will die Telekom Austria Group, die etwa in Weissrussland, Bulgarien oder Kroatien tätig ist, keine Transparenzberichte bereitstellen. (Fabian Schmid, derStandard.at, 6.6.2014)

  • In mehreren Ländern sollen Regierungsbehörden direkt bei Anrufen von Vodafone-Kunden mithören können, so der Mobilfunker.
    foto: reuters/chowdhuri

    In mehreren Ländern sollen Regierungsbehörden direkt bei Anrufen von Vodafone-Kunden mithören können, so der Mobilfunker.

  • Der "Guardian" hat bereits vorab Statistiken aus dem Vodafone-Transparenzbericht publiziert.
    foto: faksimilie/guardian/vodafone

    Der "Guardian" hat bereits vorab Statistiken aus dem Vodafone-Transparenzbericht publiziert.

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