OÖ: Weniger Vollzeitbeschäftigung

6. Juni 2014, 11:16
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Steigende Erwerbstätigkeit bei sinkender Chance auf einen existenzsichernden Vollzeitjob

Immer mehr oberösterreichische Frauen sind erwerbstätig. Dennoch bleiben Aufgaben wie Kinderbetreuung, Haushaltsarbeit oder die Pflege von älteren Angehörigen nach wie vor zu einem großen Teil an ihnen hängen. Gleichzeitig werden die Chancen auf einen existenzsichernden Vollzeitjob immer geringer.

"Wir müssen aufpassen, dass gleichstellungspolitische Fortschritte nicht einer falschen Sparpolitik als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise zum Opfer fallen", warnte AK-Präsident Johann Kalliauer bei der Präsentation des aktuellen AK-Frauenmonitors. Seit sieben Jahren veröffentlicht die Arbeiterkammer Oberösterreich mit dem Frauenmonitor eine umfassende Bestandsaufnahme zur Lage der Frauen in Oberösterreich.

Weniger Vollzeitbeschäftigung

Im Jahr 2013 hatte nur mehr die Hälfte der oberösterreichischen Arbeitnehmerinnen einen Vollzeitarbeitsplatz. Das bedeutet für die Betroffenen nicht nur niedrigere Erwerbseinkommen und schlechtere Absicherung bei Arbeitslosigkeit, sondern letztlich auch geringere Pensionen. Mit fast 39 Prozent ist der Einkommensnachteil der oberösterreichischen Frauen höher als in allen anderen Bundesländern. Selbst bei Vollzeitarbeit macht der Unterschied immer noch rund 27 Prozent aus.

Dazu kommt, dass vergangenes Jahr 27 Prozent der von Frauen geleisteten Überstunden und Mehrarbeitsstunden nicht abgegolten wurden. "Kein Wunder, dass zwei von drei Arbeitnehmerinnen mit ihrem Einkommen nur knapp oder gar nicht über die Runden kommen, wie wir aus unserem Arbeitsklima Index wissen", so AK-Präsident Kalliauer.

Steigende Arbeitslosigkeit

Alarmierend sei auch die hohe Frauen-Arbeitslosigkeit: Noch nie waren in Oberösterreich so viele Frauen ohne Job wie 2013. Eines zeigt sich jedenfalls ganz klar: Immer mehr Frauen sind bereit, für ihre Rechte zu kämpfen. 2013 haben rund 1300 Frauen die AK-Gleichbehandlungsberatung in Anspruch genommen. Neben Diskriminierungen beim Entgelt oder bei den Aufstiegschancen ist es vor allem das Thema sexuelle Belästigung, das die Beratungsgespräche dominiert.

In vielen Fällen konnte die AK Entschädigungszahlungen für die belästigten Frauen erreichen. "Mindestens ebenso wichtig ist für mich, dass mit jedem erfolgreich vertretenen Fall das öffentliche Bewusstsein für diese besonders unangenehme Form der Diskriminierung geschärft wird", so Kalliauer. Für die Arbeiterkammer ist ein Ausbau der sozialen Dienste ein ganz zentraler Punkt, um die Lage der Frauen zu verbessern. "Investitionen in Kinderbetreuung und Pflege ermöglichen Frauen Erwerbstätigkeit und schaffen Arbeitsplätze. Gerade hier wäre Sparen völlig fehl am Platz", betonte AK-Präsident Kalliauer. (red)

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