Snowden: "Frage nicht nach Privatsphäre, nimm sie dir" 

6. Juni 2014, 10:41
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Reset the Net liefert den Startschuss für das zweite Jahr der Snowden-Enthüllungen – das wichtiger als das erste sein wird

In den vergangenen zwölf Monaten hat sich gezeigt, wie die NSA auf nahezu jede erdenkbare Art und Weise in die Privatsphäre der Menschen eingreift. Die politische Reaktion darauf war eher verhalten, sowohl innerhalb der USA als auch in Europa. Die Initiative Reset the Net ruft jetzt alle Bürger dazu auf, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Paket für mehr Privatsphäre

Es bringe nichts, auf die Politik zu warten, sagt Edward Snowden in einem Statement. "Bitte nicht um Privatsphäre", so der Whistleblower, "nimm sie dir." Als erste Hilfestellung dazu hat Reset the Net, das von zahlreichen großen IT-Konzernen und NGOs unterstützt wird, ein Paket für mehr Privatsphäre zusammengestellt. Auf Resetthenet.org können sich Interessierte über Programme mit Verschlüsselung informieren.

Verschlüsseltes Chatten

Für das Smartphone werden etwa die Programme TextSecure und Redphone empfohlen, auf die Snowden selbst bereits mehrmals hingewiesen hat. Für iOS-Nutzer gibt es auch Cryptocat, ChatSecure ist für die beiden großen mobilen Betriebssysteme verfügbar.

Für Nutzer aller Betriebssysteme

Für Macs, Windows- und auf Linux laufende Rechner sind im "Privacy Pack“ Tor und Cryptocat, über das verschlüsselt mit Freunden gechattet werden kann, enthalten. Außerdem: Adium (Mac) und Pidgin (Windows/Linux), die ebenfalls verschlüsselten Chat anbieten. Die Initiative rät weiters dazu, Emails per PGP zu verschlüsseln, was etwa durch unterschiedlichen Plugins im Mailclient Thunderbird, auf Outlook oder Apple Mail erleicht wird.

IT-Konzerne machen mit

Auch mehrere große IT-Konzerne ziehen von sich aus nach: Google etwa mit der Ankündigung, End-To-End-Verschlüsselung in Gmail zu implementieren. Tumblr, ebenfalls an Bord, will ab sofort SSL-Verschlüsselung als Voreinstellung für seine Nutzer integrieren. Auch Mozilla unterstützt "Save the Net“, da sich "in der politischen Sphäre sehr wenig geändert“ hat, so Mozilla-Jurist Dave Steer laut Guardian.

Druck auf Politik

Tatsächlich hat sich außer einer verwässerten Reform der Geheimdienste, die aber laut Guardian wenig direkte Auswirkungen haben soll,  innerhalb der USA wenig getan. Das könnte sich aber ändern, wenn die großen IT-Konzerne und die Bevölkerung weiter massiv Druck auf die Regierung ausübten.

Mehrheit der US-Bevölkerung "ernsthaft besorgt"

So sollen laut Umfragen mittlerweile bis zu zwei Drittel der US-Bürger "ernsthaft besorgt“ über den Datenhunger der NSA sein, politischer Widerstand regt sich sowohl im demokratischen als auch dem republikanischen Lager. Auch Snowden selbst wird immer mehr als Whistleblower denn als Verräter betrachtet. In Hinblick auf die Midterm-Elections im November 2014 könnte hier noch Bewegung entstehen.

Justiz schaltet sich ein

Außerdem laufen mehrere Gerichtsprozesse gegen die Programme der NSA, etwa aufgrund der Sammlung von Metadaten über US-Bürger. Der zuständige Richter sprach in der ersten Instanz von einer "Überwachung Orwell’schen Ausmaßes“ und erklärte die Überwachung für "höchstwahrscheinlich gegen die Verfassung.“

Lobbying der IT-Konzerne

Zusätzlich lobbyieren die IT-Unternehmen seit den Enthüllungen massiv in Washington: Etwa Google oder Facebook, dessen Gründer Mark Zuckerberg sich wiederholt gegen Überwachung ausgesprochen hat.

Hoffnungsschimmer

Es gibt also durchaus Hoffnung, dass Snowdens Enthüllungen eine tiefgreifende Veränderung auslösen könnten. Die Entscheidung darüber dürfte im zweiten Jahr der NSA-Affäre fallen, wie Trevor Timm, Direktor der Freedom of the Press Foundation, im Guardian analysiert. Dazu müsse aber jeder seinen Beitrag leisten. (Fabian Schmid, derStandard.at, 6.6.2014)

  • Reset the Net fordert jeden dazu auf, seine Privatsphäre selbst zu verteidigen.
    foto: reuters/schwarz

    Reset the Net fordert jeden dazu auf, seine Privatsphäre selbst zu verteidigen.

  • Auf der Website wird unter anderem ein "Privacy Pack" mit nützlichen Tools angeboten.

    Auf der Website wird unter anderem ein "Privacy Pack" mit nützlichen Tools angeboten.

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