"Aufsichtsrat kann kein Nebenjob sein"

6. Juni 2014, 13:32
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In heimischen Aufsichtsgremien fehlen Internationalität und Frauen. Die Aufseher verbringen auch nur wenige Stunden mit ihrem Job

Eine stärkere geografische und berufsspezifische Diversität sowie mehr Frauen in Aufsichtsräten, so lautet der Plan der EU. Österreichische Aufsichtsgremien gehören in allen drei Bereichen zu den Schlusslichtern. Am Mittwoch wurde in Wien der erste Aufsichtsrats-Monitor von B&C Industrie Holding und Inara (Initiative Aufsichtsräte Austria) präsentiert, der den Aufholbedarf in diesen drei Bereichen einmal mehr sichtbar machte. 100 Aufsichtsräte haben an der Erhebung teilgenommen.

Bei der Zusammensetzung des Aufsichtsrates, so die Angaben der Befragten, spielt technisches Know-how eine untergeordnete Rolle. Für Viktoria Kickinger, selbst Mitglied in sechs Aufsichtsräten und Geschäftsführerin von Inara, gibt es hier dringenden Handlungsbedarf, "weil der Wirtschaftsstandort nur über Spezialisierung und Differenzierung attraktiv bleiben kann". Mehr Techniker in Aufsichtsräten wären dafür wünschenswert.

Wenig internationale Erfahrung

Das Gleiche gelte für die internationale Durchmischung. Laut einer Analyse der Managementberatung Kienbaum hat ein Viertel der 20 ATX-Unternehmen keine Mitglieder mit internationaler Erfahrung in ihren Aufsichtsgremien.

Für Michael Junghans, Geschäftsführer der B&C Industrieholding, ist die unterdurchschnittliche Bezahlung dafür mit ein Grund. In Österreich verdient ein Aufsichtsratsvorsitzender eines ATX-Unternehmens im Schnitt 75.000 Euro im Jahr, in Deutschland sind es 250.000 Euro. Für heimische Unternehmen werde es immer schwieriger, qualifizierte Aufsichtsräte aus dem Ausland zu gewinnen, so Junghans.

Wenig Frauen

Nur rund 15 Prozent der österreichischen Aufsichtsräte sind Frauen. In den Vorständen der Unternehmen sei der Anteil aber noch geringer, sagt Kickinger, aber genau das sei der Hebel, an dem angesetzt werden müsste, um den Anteil zu erhöhen.

Wenig Zeit

Kritisch sehen beide den Zeitaufwand. Rund ein Viertel der befragten Aufsichtsräte gab an, sich ein bis drei Stunden auf eine Sitzung vorzubereiten - die Sitzungsdauer beträgt im Schnitt 3,7 Stunden. Für Junghans sei der durchschnittliche Gesamtarbeitsaufwand als einfaches Aufsichtsratsmitglied zu gering, um sich umfassend mit der aktuellen Situation des Unternehmens befassen zu können.

Zumal laut Monitor großes Verbesserungspotenzial in der Kommunikation und im Informationsaustausch sowohl durch den Vorstand als auch innerhalb des Aufsichtsrats gegeben sei. Denn nur 14 Prozent der Befragten sind mit der inhaltlichen Vorbereitung von Aufsichtsratssitzungen durch den Vorstand voll und ganz zufrieden.

"Aufsichtsrat kann kein Nebenjob sein", sagt Junghans. Wünschenswert wären 20 bis 25 Tage Zeitaufwand pro Aufsichtsratsmandat. Für Kickinger deuten sowohl die Vorgaben der EU als auch die Ansprüche internationaler Konzerne daher in Richtung Berufsaufsichtsrat. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 7./8.6.2014)

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