Österreichs Wirtschaft kommt nicht vom Fleck

6. Juni 2014, 11:53
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Wachstumsimpulse kommen derzeit vor allem aus dem Ausland. Die Krise in der Ukraine bleibt ein Unsicherheitsfaktor

Wien - Österreich Wirtschaft bewegt sich kaum vom Fleck. Zu Jahresbeginn ist das Bruttoinlandsprodukt laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) etwas schwächer gewachsen als bisher angenommen, der Aufschwung habe sich aber verfestigt. Das BIP lag heuer im ersten Vierteljahr nur 0,2 Prozent über dem Vorquartal, teilte das Wifo am Freitag mit, zunächst hatte man ein Plus von 0,3 Prozent errechnet.

Für die kommenden Jahre geht die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) von einem Wirtschaftsaufschwung aus und prognostiziert für 2014 ein Plus von 1,6 Prozent, in den Folgejahren Zuwächse von 1,9 und 2,1 Prozent. Das Wifo rechnet in seiner jüngsten Prognose mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent sowohl für das laufende als auch für das kommende Jahr. Viel hängt aber davon ab, wie sich die Krise um die Ukraine weiter entwickelt.

Für das laufende Quartal geht das Wifo davon aus, dass die Weltwirtschaft ihr mäßiges Wachstumstempo zumindest halten kann. Sorgenkind bleibt der Arbeitsmarkt.

Geopolitische Lage dämpft

Das Wetter begünstigte zuletzt die wirtschaftliche Aktivität in den Außenberufen - der Winter war ja außergewöhnlich warm und trocken, erinnern die Experten. Die erhöhten geopolitischen Spannungen hätten die Stimmung der österreichischen Betriebe und privaten Haushalte zuletzt jedoch gedämpft, verweist das Wifo auf die Vorlaufindikatoren.

Sollte sich die Krise in der Ukraine und Russland zuspitzen, könne das Wachstum geringer ausfallen, warnte Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny am Freitag. Viele österreichische Banken und Unternehmen sind dort aktiv. Die Inflationsrate dürfte laut OeNB 2015 auf 1,7 Prozent von 1,8 Prozent in diesem Jahr zurückgehen. Erst 2016 erwartet die Zentralbank eine höhere Teuerungsrate von 1,9 Prozent. Der Zielwert der EZB liegt bei knapp zwei Prozent.

Anders als im Dezember, zur Zeit der letzten OeNB-Prognose, sind jetzt erste Rechnungen für die neuen Staatshilfen an die Krisenbank Hypo Alpe Adria eingepreist. Demnach wird die Staatsschuldenquote nun für heuer bei 79,2 Prozent gesehen, 2015 sollte sie auf 77,5 Prozent und 2016 auf 75,3 Prozent zurückgehen.

800 Millionen Sparbedarf

Der Nationalbank-Direktor sagte bei der Präsentation der Prognose, dass er für das nächste Jahr einen Sparbedarf von 800 Millionen Euro sieht. Die EU-Kommission fordert, dass Österreich schon nächstes Jahr ein strukturelles Nulldefizit erreicht, Österreich plant damit erst für 2016. Man müsse mit der EU-Kommission in Verhandlungen treten oder Maßnahmen treffen, so Nowotny. (APA/red, derStandard.at, 6.6.2014)

  • Die Nationalbank ist optimistischer als das Wifo und rechnet für 2015 mit 1,9 Prozent Wachstum.
    foto: apa/hochmuth

    Die Nationalbank ist optimistischer als das Wifo und rechnet für 2015 mit 1,9 Prozent Wachstum.

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