Aber Perry hatte keinen Nadal

6. Juni 2014, 08:58
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Andy Murray hat noch eine Rechnung mit dem Sand offen - Keinen seiner 28 Turniersiege feierte der Schotte auf diesem Belag

Paris/Wien - Christopher "Buster" Mottram gehörte nicht zu den Allergrößten des Tennissports. Als beste Weltranglistenplatzierung erreichte der Engländer im Februar 1983 Rang 15. Zwei Einzeltitel gewann er in seiner Karriere. Es sollten also erfolgreichere britische Tennisspieler folgen. Tim Henman zum Beispiel. Und natürlich Andy Murray. Der Schotte hat immerhin schon Wimbledon gewonnen. Dazu 27 weitere Turniere. Aber eines hat Mottram Murray voraus. Er holte einen Turniersieg auf Sand. Das war am 18. April 1976 in Palma de Mallorca. In den 38 folgenden Jahren gelang dies keinem Briten mehr.

Der Insulaner Lieblingsuntergrund war der sandige nie wirklich. Murray bringt aber recht gute Voraussetzungen für das Spiel auf dem langsamsten aller Tennisunterlagen mit. Der 27-Jährige ist ballsicher, defensiv stark, und er fühlt sich an der Grundlinie wohl. Als Teenager trainierte er in der Sánchez-Casal-Akademie in Barcelona. Auf Sand. Derzeit agiert er bei den French Open. Auf Sand. Das einzige Grand-Slam-Turnier, bei dem Murray noch nie im Finale stand. Sein Problem: Auf Sand und vor allem in Paris war bis dato immer mindestens ein Spieler besser als er: Rafael Nadal, achtfacher Champion.

Druck hüben wie drüben

Heuer steht Murray zum zweiten Mal nach 2011 im Halbfinale von Roland Garros, zum insgesamt 14. Mal in einem Major-Semifinale, womit er diesbezüglich erfolgreichster Brite ist. Murray: "Das ist definitiv ein großer Erfolg, aber dafür bin ich nicht hierhergekommen. Ich mache mir viel Druck bei diesen Turnieren."

Viel Druck sollte er heute im Halbfinale auf seinen Gegner ausüben, will er das Endspiel erreichen. Allein, auch das könnte nicht genug sein. Murrays Bilanz gegen den Mallorquiner Nadal: 5:14. Auf Sand: 0:5. Immerhin das letzte Aufeinandertreffen, im Mai in Rom, verlor Murray nur knapp 5:7 im dritten Satz. Das einzige Duell in Paris, 2011 im Halbfinale, gewann Nadal ohne Satzverlust.

Ohne Satzverlust ist der Weltranglistenerste erst seit Mittwoch und dem Viertelfinalsieg über Landsmann David Ferrer nicht mehr. Murrays Weg ins Halbfinale war deutlich komplizierter. Gael Monfils aus Frankreich überwand er im Viertelfinale ebenso erst nach fünf Sätzen wie den Deutschen Philipp Kohlschreiber in der dritten Runde (12:10 im fünften Satz).

Titel-Abonnent sieht Titel-Kandidaten

"Rafa hat gute Erinnerungen auf diesem Platz. Es wird schwer, gegen ihn zu spielen", sagt Murray. Nadal jedenfalls hat großen Respekt vor Murray. "Er kann auf allen Belägen sehr gut spielen. Es ist nichts Neues, dass er gut auf Sand spielt. Er ist ein Kandidat für den Titel in Roland Garros."

Im Finale gölte es noch, besser als Novak Djokovic oder Ernests Gulbis zu sein. Fred Perry war 1935 der letzte britische French-Open-Sieger. Es sei vorsichtshalber erwähnt. (rie, DER STANDARD, 6.6.2014)

  • Andy Murray kann es auch auf Sand. Allerdings bekommt er es im Halbfinale der French Open mit dem diesbezüglichen Großmeister Rafael Nadal zu tun.
    foto: ap

    Andy Murray kann es auch auf Sand. Allerdings bekommt er es im Halbfinale der French Open mit dem diesbezüglichen Großmeister Rafael Nadal zu tun.

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