Verfrühte Bilanz über eine Exzellenz-Uni

Kommentar der anderen5. Juni 2014, 18:05
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Personalpolitisch kann das IST Austria jedenfalls mit den Besten der Besten mithalten

Das IST Austria, gegründet vor fünf Jahren, ist ein öffentlich--rechtliches Forschungsinstitut mit Promotionsrecht für Post-graduierten--Studien in Naturwissenschaften, Mathematik und Technik. Das besondere Kennzeichen dieser vergleichsweise kleinen Wissenseinrichtung ist ihre thematische Diversität, die damit verbundene Interdisziplinarität als Programm.

Norbert Rozsenich fordert von IST- Austria im Standard vom 27. Mai 2014 ein "unabhängiges internationales Ranking", eine externe unabhängige Evaluation "nach international üblichen Standards". Das Ergebnis dieser Überprüfung wartet er jedoch nicht ab. Entgegen seiner Empfehlung zieht er vorzeitig seine sehr persönliche retrospektive und prospektive negative Bilanz, in der er der Arbeit des IST jeglichen "erkennbaren wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Nutzen" abspricht.

Von einer sehr jungen, noch im Aufbau befindlichen Lehr-- und Forschungsinstitution, deren leitende Mitarbeiter mehrheitlich erst in jüngerer Vergangenheit ihre Arbeit aufgenommen haben, eine abschließende Evaluation zu verlangen ist unsinnig. Der Deutsche Wissenschaftsrat, das wichtigste Beratungsgremium in Deutschland, hat beispielsweise einige der in den neuen Ländern aus Instituten der DDR--Akademie der Wissenschaften hervorgegangenen sogenannten Blaue--Liste--Institute erst nach zehnjährigem "Probebetrieb" final evaluiert.

Was jedoch in der juvenilen Entwicklungsphase unserer Post Graduate University in Gugging jetzt schon überprüft werden kann, ist ihre Rekrutierungspolitik. Die Arbeitsgebiete und der persönliche Publikationsrekord des Präsidenten und aller Professorinnen und Professoren sind online einsehbar. Das Ergebnis einer kritischen Analyse dieser frei verfügbaren Informationen über den "Marktwert" der Berufungen nötigt dem Unterzeichner höchste Bewunderung ab. Dem IST -Austria ist es in den fünf Jahren seit seiner Gründung nachweislich gelungen, im internationalen Wettbewerb um die Besten der Besten erfolgreich mitzuhalten. (Dieter Schweizer, DER STANDARD, 6.6.2014)

Dieter Schweizer (76) ist Emeritus für Cytologie und Genetik der Universität Wien und ehemaliger Gründungsdirektor des Gregor-Mendel-Instituts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

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