"Murdered: Soul Suspect": Viel Atmosphäre und verschenktes Potenzial

5. Juni 2014, 15:08
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Probleme im Spielkonzept behindern experimentelles Gruselabenteuer, befinden die Kritiker

Eines der interessantesten Spielkonzepte der letzten Zeit legt dieser Tage das Entwicklerstudio Airtight Games unter der Flagge des Publishers Square Enix vor. "Murdered: Soul Suspect" heißt der Titel, in welchem der Ermittler Ronan O'Connor seine eigene Ermordung aufklären muss. Nun sind die ersten Pressestimmen online.

In der Stadt Salem zieht ein mysteriöser Killer seine Kreise. Patronen und ein Fenstersturz kosten auch das Leben von O'Connor, und der unbekannte Mörder gilt auch hier als Hauptverdächtiger. In Person des Geistes des Verstorbenen gilt es nun, den Fall zu lösen, um friedlich auf die "andere Seite" wechseln zu können, auf der bereits die eigene Ehefrau wartet.

Medium

In Ermangelung einer physischen Existenz sind O'Connors Möglichkeiten jedoch limitiert. Während er als Geist zwar mit gefangenen Seelen, Erinnerungen und sogar Objekten aus der Vergangenheit interagieren kann, fehlt es ihm an der Möglichkeit, auf das Hier und Jetzt Einfluss zu nehmen, um etwa Verdächtige und Zeugen zu befragen.

An dieser Stelle kommt Joy ins Spiel. Das jugendliche Medium kann mit dem toten Detektiv kommunizieren und präsentiert sich als schlaues Mädchen mit scharfer Zunge, das versucht mit markigen Kommentaren die Angst vor den unheimlichen Entwicklungen um sie herum zu verdecken. Sie transportiert, so schreibt es Joystiq, ehrliche Angst und bietet einen guten Konterpart zum abgebrühten Ronan O'Connor.

Dieser lernt auch, kurzfristig Besitz von Leuten ergreifen zu können – etwa um ihre Handlungen zu beeinflussen, einfach nur Gespräche mitzuhören oder in ihre Erinnerungen einzudringen. Direkt reden kann er sonst nur mit anderen rastlosen Geistern.

Geistergeschichten

Das Spielkonzept schickt den Spieler von Ort zu Ort, um Stück für Stück die Lösung zusammen zu puzzlen und unzählige Gegenstände zu sammeln. Hat man genug Hinweise zu einer bestimmten Frage gesammelt, gilt es schließlich eine ein Mini-Quiz zu lösen – etwa welcher Gegenstand einen Hinweis auf den nächsten Tatort des Killers gibt.

Nicht alle aufzufindenden Gegenstände haben einen Bezug zum Mordfall. An jedem Ort verbirgt sich eine Geistergeschichte, die meist gut erzählt und angenehm gruslig ist. Sie sind oft mit Nebenquests verbunden. Zwischendurch muss sich O'Connor Kämpfen mit Dämonen stellen, die jedoch wenig fordernd sind und gegen Schluss in immer höherer Frequenz auftreten.

Gewollte Brüche

Während die Geschichte an und für sich gut erzählt und Salem als Ort des Gruselns gelungen umgesetzt ist, bemängelt man bei CVG logische Brüche. So kann der Spieler zwar durch Wände gehen, allerdings nur innerhalb von Gebäuden.

Hier wurden gewollte Brüche in Kauf genommen, um das Spielkonzept und die Handlung nicht zu gefährden. Eine Reihe von entweder zu einfachen oder logisch nicht schlüssigen Rätseln komplettiert den Gesamteindruck eines gut gemeinten, doch nicht gut umgesetzten Spielkonzepts, das viel Potenzial verschenkt.

Mäßige Wertungen

Die positive Einstellung zur Erzählung teilt man bei CVG übrigens nicht. Dort als auch bei Joystiq gibt es zudem Kritik an der widerspenstigen Steuerung, die das Anvisieren von einzelnen Gegenständen mitunter zu einem frustrierenden Erlebnis macht. Wenig überraschend verleihen beide Magazine "Murdered: Soul Suspect" nur eine unterdurchschnittliche Wertung.

Gegenstimme

Wesentlich lobendere Worte findet man bei Venturebeat. Dort attestiert man dem Spiel zwar sehr ähnliche Schwächen, zeigt sich aber begeistert von den experimentellen Ansätzen, die es mitbringt – etwa die Implikationen für das Leveldesign durch die geisterhafte Existenz des Hauptdarstellers. Mit 89 von 100 Punkten erhält das "überraschend gute Spiel" eine empfehlende Wertung.

"Murdered: Soul Suspect" ist ab 6. Juni erhältlich und erscheint auf Xbox 360, PS3, Xbox One, PS4 und Windows-PC. (gpi, derStandard.at, 05.06.2014)

murdered: soul suspect

Video: Soul Suspect

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