Was ORF-Programmmanager vom Multimedia-Newsroom halten

5. Juni 2014, 17:52
1 Posting

Persönlich "neutral", für ORF überwiegend "positiv" - Berater für "anspruchsvolle Veränderungsprozesse"

Ein großes Fragezeichen steht über dem Mann vor dem Abgrund, der ein Grüppchen von Figuren mit ORF-Logo über die Schlucht führen soll. Das Deckblatt der Unternehmensberater Kremsner & Consultants, die dem ORF helfen, seinen gemeinsamen Newsroom für TV, Radio, Online und Co umzusetzen.

An die vier Dutzend Führungskräfte des ORF besprechen das Projekt wieder am 16. und 17. Juni im Hotel Steigenberger in Krems. Kremsner & Consultants hat sie schon zum Projekt befragt. Diese "Standortbestimmung" fällt nicht gerade euphorisch aus, auch wenn die fünf Punkte ziemlich optimistisch formuliert sind.

Für mich persönlich "neutral"

Zum Einstieg: "Ich stehe dem Projekt multimediales Arbeiten positiv gegenüber". Da sind auch die Antworten ziemlich positiv: Für 42 Prozent trifft das "voll zu", 30 stimmen noch zu, immerhin 27 Prozent, fast ein Drittel, ist "neutral".

"Ich erwarte durch das Projekt positive Auswirkungen für den ORF" - das trifft noch für 21 Prozent "voll zu", für immerhin 38 trifft es zu. Neutral sind 29 Prozent. Für zwölf Prozent trifft das "nicht zu". Nur "überhaupt nicht" findet keine/r.

"Ich erwarte durch das Projekt positive Auswirkungen für mich persönlich" sehen gleich 61 Prozent "neutral". Für neun Prozent trifft das voll, für zwölf Prozent immerhin zu. Zwölf Prozent antworteten: "Trifft nicht zu". Für sechs Prozent trifft das "überhaupt nicht zu".

Neutrale Newsroom-Kenntnis

Andere Multimedia-Newsroom kennen 19 Prozent ("voll") und 37 Prozent der Befragten. 19 Prozent antworteten auch hier mit "neutral". Drei und 22 Prozent sind sich bewusst, dass sie keine oder überhaupt keine anderen Newsrooms kennen.

Aber: "Persönlich mitarbeiten" im Projekt Newsroom möchten 65 Prozent "voll" und weitere 32 Prozent überhaupt, drei Prozent sehen auch das neutral - Nein bleibt hier aus.

Die Arbeitsgruppe leitet Stefan Ströbitzer, Hauptabteilungsleiter für  Programminnovation und Qualitätsmanagement in der Fernsehdirektion. Er gilt als möglicher Kandidat für eine neue multimediale Info-Führungsfunktion für den neuen multimedia-Newsroom. Wie berichtet, ist eine Art Infodirektion oder -koordination im Gespräch, gehandelt werden dafür auch die Landesdirektoren Karlheinz Papst (Burgenland) und Roland Brunnhofer (Salzburg).

Chefredakteure, Senderchefs, Intendanten

In der Arbeitsgruppe sind Führungskräfte praktisch aller betroffenen Sender und Abteilungen wie TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher und Radiochefredakteur Hannes Aigelsreiter, TV-Magazinchefin Waltraud Langer, Sportchef Hans Peter Trost, der vorgeschlagene Ö1-Chef Peter Klein,  Georg Spatt (Ö3), Monika Eigensperger (FM4), ORF-On-Geschäftsführer Karl Pachner und Online-Chefredakteur Gerald Heidegger, Wiens Landesdirektorin Brigitte Wolf und ihr Chefredakteur Paul Tesarek. Auch Betriebsratschef Gerhard Moser ist offenbar eingebunden.

In Krems geht es für sie nun um "Direction Setting", Juni, Juli und August sollen sie in Arbeitsgruppen weiterwerken, im September ist eine Konferenz für das Design des Newsrooms angesetzt, der nach bisheriger Planung eher ein Newscenter sein dürfte. Ende 2014 soll es nach einer "Integrationskonferenz" an Ausgestaltung und Umsetzung des Projektes gehen.

Gerade wurde der Architektenwettbewerb für den Zubau auf dem Küniglberg ausgeschrieben, die Besiedelung dürfte also noch ein Weilchen dauern.

"Anspruchsvolle Veränderungsprozesse"

Kremsner & Partner beruhigt auf Seite zwei der Präsentation, wie das ORF-Grüppchen über die Schlucht kommt: Mit der gleichnamigen "Strategie- und Organisationsberatung" und deren "Expertise für anspruchsvolle Veränderungsprozesse". (red, derStandard.at, 5.6.2014)

  • So soll der Küniglberg nach dem Umbau aussehen.
    foto: orf

    So soll der Küniglberg nach dem Umbau aussehen.

Share if you care.