30 Jahre "Tetris": Das Kultspiel damals und heute

6. Juni 2014, 11:39
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Macher kritisieren modernes Free2Play-Konzept

Einer der unbestritten bekanntesten Klassiker unter den Knobelspielen ist "Tetris". Seit der Veröffentlichung von Nintendos Game Boy begleitet das Konzept der fallenden Blöcke die Spielewelt. 30 Jahre ist nun die Veröffentlichung her.

Das Prinzip ist so einfach wie fordernd: Verschieden geformte Steine fallen immer schneller vom virtuellen Himmel und müssen in durchgehenden Reihen angeordnet werden, um sie wieder vom Spielfeld verschwinden zu lassen, ehe dieses überfüllt ist.

nineko

Video: Tetris

1984

Was viele nicht wissen: Dem Spiel gelang zwar mit Nintendos Handheld, dem es beigelegt wurde, der Durchbruch in die Masse, eigentlich ist "Tetris" aber fünf Jahre älter. Im Juni 1984 startete Erfinder Alexej Paschitnow die fertige Version des Games erstmals auf einem Elektronika-60-Computer.

Extrem erfolgreich auf Handys

Zahlreiche Varianten des Originals sowie unzählige Klone und Abwandlungen sind bisher erschienen, und bis jetzt hat das Spiel dem Zahn der Zeit widerstanden. Mehr noch, erklärt Geschäftsmann Henk Rogers, der das Spiel auf den Game Boy gebracht hat: Mittlerweile verzeichnete Tetris in seinen Ausgaben für Handys und Smartphones mehr als 425 Millionen Bezahldownloads. Eine Zahl, die selbst sämtliche Auslieferungen als Konsolenspiel – rund 60 Millionen – weit in den Schatten stellt.

Jung bleiben

Sein Ziel ist es, so Rogers im Gespräch mit Recode, alles zu tun, damit das Spiel nicht zum angestaubten Klassiker verkommt, sondern aktuell bleibt. Die größte Herausforderung der vergangenen Jahre war dabei die Umstellung von Tasten auf Touchscreens.

Gepflegt wird die Marke von der Tetris Company. Die Lizenz für Spiele auf mobilen Endgeräten hat derzeit Electronic Arts. Die Rechte für Konsolenproduktionen besitzt hingegen Ubisoft. Doch die Tetris Company redet bei Neuentwicklungen mit und bringt ab und zu auch selbst Ideen ein.

"Tetris Ultimate"

Jüngster Zugang in der ehrwürdigen Reihe ist "Tetris Ultimate". Im Sommer soll das Spiel, das sich im Kern nicht verändert hat, aber Online-Spiel und globale Highscores unterstützt, auf den Markt kommen. Veröffentlicht wird er von Ubisoft für PlayStation 4, Xbox One und etwas später auch für den PC. Selbst in hochauflösender Grafik erinnert der Titel an alte Zeiten.

Zugänglicher

Rogers und  Paschitnow beobachten auch neue Entwicklungen im Genre. Der Erfolg von Titeln wie "Bejeweled" oder "Candy Crush Saga" ist auch ihnen nicht verborgen geblieben. Paschitnow fühlt sich etwas alt, um die "neuen und verrückten" Spiele zu spielen. Generell sei der Schwierigkeitsgrad von derartigen Titeln über die Jahre merklich gesunken, was aber positiv sei, da die Spiele damit einem großen Teil der immer größeren Casual Gamer-Schar zugänglich bleiben.

Nur fünf Prozent zahlen

Skeptisch geben sich beide gegenüber dem Free2Play-Modell, das EA etwa auch bei einem "Tetris Titel", "Tetris Blitz" umsetzt. "Das Wort Free2Play ist meiner Anischt nach irreführend, weil wir mit dem Modell mehr Geld verdienen als mit Pay2Play", erklärt Rogers. Da jedoch nur fünf Prozent der Nutzer praktisch den gesamten Umsatz generieren würden, empfindet er dieses Modell als ungerecht.

"Wenn jeder Spaß damit hat, ein Spiel zu spielen, sollte auch jeder zur Schaffung des nächsten Spieles beisteuern", führt Rogers weiter aus. Die Einnahmen sollten ein Anreiz für den Entwickler sein, andere und bessere Games zu machen, anstatt nach Möglichkeiten zu suchen, Einzelbestandteile eines Spieles gezielt zu verkaufen.

"Warum müssen die Leute so geizig sein?"

Kritik übt er aber auch an der Zahlungsbereitschaft der Konsumenten. "Ich finde das Starbucks-Modell viel angenehmer, wo man 2,99 Dollar zahlt und einen Kaffee erhält, an dem man zehn Minuten Freude hat", so Rogers. "In der Spielewelt zahlt man 2,99 Dollar und hat 10 bis 20 Stunden lang Freude. Warum müssen die Leute so geizig sein und sagen 'Ich will kein Geld für dieses Spiel ausgeben?'".

Er denkt außerdem, dass das Free2Play-Modell nicht ewig funktionieren wird. Es funktioniere zwar derzeit für die Publisher, werde aber nicht ewig von den Spielern akzeptiert werden, vor allem da es nicht selten Kinder seien, die für die Einnahmen verantwortlich sind.

Entspannung

Paschitnow und Rogers spielen auch heute noch den Knobelklassiker regelmäßig, auch zum neue Ideen zu testen. Der Erfinder bevorzugt jedoch die klassische Version, um sich in zehn Minuten voller Konzentration ein wenig zu entspannen und auf andere Gedanken zu bringen. (red, derStandard.at, 6.6.2014)

  • Seit drei Jahrzehnten begeistert "Tetris" Spieler auf der ganzen Welt.
    foto: dr. blowfinger / cc by bd 2.0 flic.kr/p/dgjokj

    Seit drei Jahrzehnten begeistert "Tetris" Spieler auf der ganzen Welt.

  • Im Sommer erscheint mit "Tetris Ultimate" der nächste Titel der Reihe.
    foto: ubisoft

    Im Sommer erscheint mit "Tetris Ultimate" der nächste Titel der Reihe.

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