Was Forscher ins Ausland zieht - und dort hält

9. Juni 2014, 16:14
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Postdoc-Förderung: FWF wünscht sich mehr Anträge für Schrödinger-Stipendien

Wien - Österreichische Wissenschafter bleiben der Karriere willen im Ausland. Für eine Rückkehr sind dagegen familiäre Gründe ausschlaggebend. Diese Tendenz bestätigt eine neue Evaluierung des Erwin-Schrödinger-Stipendiums, mittels dessen der Wissenschaftsfonds FWF jährlich durchschnittlich an die 70 Postdocs an Forschungseinrichtungen in aller Welt schickt.

67 Prozent der Stipendiaten, die sich bis zu zwei Jahre an einer renommierten Uni ihrem Forschungsprojekt widmen konnten, kehren innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss nach Österreich zurück, erläutern FWF-Vizepräsidentin Christine Mannhalter und die Leiterin der Frauen- und Mobilitätsprogramme, Barbara Zimmermann. Mehr als ein Viertel bleibt dagegen im Ausland. 52 Prozent der nicht zurückgekehrten Fellows gaben an, dass sie trotz guter Forschungsleistung keinen Job in Österreich fanden. 37 Prozent nennen bessere Karriereperspektiven, 40 Prozent bessere Bedingungen als Gründe für den Verbleib im Ausland.

Jene, die im Ausland bleiben, sieht man im FWF aber nicht als Braindrain, der dem Wissenschaftsstandort Österreich schadet. Sie würden eine "Brückenkopffunktion" erfüllen, sagt Zeithammer, weil sie weiterhin mit österreichischen Wissenschaftern publizieren und heimische Forschung in internationale Netzwerke integrieren. Männliche Fellows haben laut Mannhalter öfter eine Stelle in Österreich, zu der sie zurückkehren. Ist kein Job in Aussicht, soll eine geförderte Rückkehrphase helfen.

Das evaluierende Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe bescheinigte dem Programm, für das es weder Alters- oder Fachbeschränkungen gibt, einen "starken positiven Einfluss auf die Karrieren, die Forschungseinrichtungen und das österreichische Wissenschaftssystem". Die Erwartungen der Postdocs, was den Aufbau neuer Kontakte und das Erlernen neuer Techniken betrifft, würden in hohem Maß erfüllt - besser als in einer Kontrollgruppe mit vergleichbarem Auslandsaufenthalt.

Die Fellows werden mit bis zu 180.000 Euro für drei Jahre unterstützt, etwa 40 Prozent werden von der EU kofinanziert. Durch die finanzielle Unabhängigkeit falle die Wahl auf "die besten der besten" Auslands-Unis, wo sich die Stipendiaten voll auf die Forschung konzentrieren könnten. Publikationszahl und Zitierungen steigen. Nach zwölf Jahren hätten 60 Prozent der Stipendiaten eine Professorenstelle inne.

Seit 1985 wurden zirka 1900 von 2800 Anträgen bewilligt. Am beliebtesten ist das Programm bei Biologen und Medizinern. Dagegen seien bei den Geisteswissenschaften schon fünf Fellows pro Jahr viel. Dort verhinderten hierarchische Strukturen und andere Förderungen den Zulauf.

Nach dem guten Evaluationsergebnis wird da wie dort empfohlen, mehr Personen zu fördern. Mannhalter: "Mehr Anträge sind erwünscht. Bei der Qualität wird die Latte für die Vergabe aber nicht niedriger gelegt." (pum/DER STANDARD, 4.6.2014)


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FWF

  • FWF-Vizepräsidentin Christine Mannhalter.
    foto: fwf/schubert

    FWF-Vizepräsidentin Christine Mannhalter.

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