Raiffeisen darf Staatsgeld zurückzahlen

4. Juni 2014, 18:33
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Aufsichtsbehörde gab grünes Licht - Vorsorgen für Ukraine müssen erhöht werden

Wien - Es ist sich, wie man so sagt, auf den letzten Drücker ausgegangen. Gestern, Mittwoch, hat die Raiffeisen Bank International (RBI) von der Aufsicht grünes Licht bekommen, ihr staatliches Partizipationskapital (PS-Kapital; 1,75 Mrd. Euro) zurückzuzahlen.

Der Plan von Bankchef Karl Sevelda, die Nachricht bei der Hauptversammlung (HV) verkünden zu können, ist also aufgegangen; die Finanzmarktaufsicht FMA hat ihren Bescheid am Mittwoch übermittelt. Das Geld wird noch diese Woche, am Freitag, den 6. Juni, zurückgezahlt. Die Bank hat für das Geld, das sie in der Finanzkrise bekommen hat, in Summe 760 Mio. Euro bezahlt.

Sorgenkind Ukraine

Damit ist ein monatelanges Hick-Hack zwischen Raiffeisen und Aufsehern beendet. Wie berichtet muss die RBI auch nach der Rückzahlung eine Eigenkapitalquote von 14,2 Prozent erfüllen - das haben die Bankenprüfer in der Notenbank verlangt. Sie und die FMA bestehen angesichts der Verwerfungen zwischen Russland und der Ukraine auf einen extradicken Sicherheitspolster. Größter Gewinnbringer der RBI ist Russland; ihre ukrainische Bank Aval wollten die Österreicher eigentlich verkaufen.

Dieser Plan wurde nun ad acta gelegt, wie der RBI-Vorstand in der HV bestätigt hat. "Die Krise in der Ukraine schadet unserer Bank wirtschaftlich, wenngleich sie uns nicht vor existenzielle Risken stellt", erläuterte Sevelda seine Sicht der Dinge. In Zahlen schaut die Sache so aus: Die zusätzlichen Vorsorgen für faule Kredite dürften auf 250 Mio. Euro steigen. Im ersten Quartal 2014 hat die Bank in der Ukraine einen Verlust von 24 Mio. Euro geschrieben, im zweiten Quartal habe sie sich "aber gar nicht so schlecht" geschlagen, so Sevelda.

Noch offene Fragen

Kräftig reduziert hat die Bank, die in 15 Ländern aktiv ist, ihren Bestand an ukrainischen Staatsanleihen. Vor einem Jahr lag der bei knapp 800 Mio. Euro, bis Mitte Mai wurde er auf etwas weniger als 300 Mio. Euro abgebaut.

Nach dem staatlichen PS-Kapital will die RBI dann auch ihr privates PS-Kapital in der Höhe von 750 Mio. Euro zurückzahlen. Überlegt wird, dieses durch Ergänzungskapitalanleihen zu ersetzen. Zum Tilgungszeitpunkt wurde den Aktionären nichts gesagt, in einer Aussendung war davon die Rede, dass die Rückführung bis Jahresende erfolgen soll.

Auf der anderen Seite hat sich der Vorstand von der HV grünes Licht für weitere Kapitalmaßnahmen geben lassen. In einem Vorratsbeschluss wurde er ermächtigt, das Grundkapital der RBI binnen fünf Jahren um bis zu 446,79 Mio. Euro Nominale durch Ausgabe von bis zu 146,5 Millionen Stück neuen Aktien zu erhöhen.

Zur Erinnerung: Im Februar dieses Jahres hat sich die RBI 2,78 Mrd. Euro vom Markt geholt.

Auch Aufsichtsratswahlen fanden am Mittwoch statt. Neuzugänge ins Kontrollgremium sind der Chef der Raiffeisen-Landesbank Steiermark, Martin Schaller, und Ex-Prisma-Vorstandsdirektorin Bettina Selden. Sie folgen auf Markus Mair und Stewart Gager, der seit 2005 an Bord war. Wiedergewählt wurde Ex-EBRD-Direktor Kurt Geiger. (APA; gra, DER STANDARD, 5.6.2014)

  • Karl Servelda freut sich über den Rückzug des Staates aus der RBI.
    foto: apa

    Karl Servelda freut sich über den Rückzug des Staates aus der RBI.

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