Streit mit Schäuble: HRE-Chefin geht

4. Juni 2014, 17:58
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Eigentlich hätte Manuela Better die notverstaatlichte deutsche Immobilienbank HRE wieder auf die Beine bringen sollen. Weil sie mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) über die Abwicklung der Depfa Bank stritt, trat sie nun aber überraschend zurück

Berlin - Die Begründung, die Manuela Better für ihren Rücktritt angab, lässt durchblicken, wie tief das Zerwürfnis zwischen ihr und dem Bund gewesen ist. Nach gewissen Entscheidungen "habe ich keine Basis mehr für die Ausübung meiner Mandate mehr gesehen", schrieb Better und verließ noch am Dienstagabend das Haus.

Dem Finanzministerium in Berlin blieb nichts anders übrig, als eilig zu danken und dann zu überlegen, wie es weitergehen soll. Denn der Abgang Betters hat die deutsche Regierung kalt erwischt, es stand, als sie ihren letzten Frustbrief schrieb, noch gar kein Nachfolger für die 53-Jährige bereit.

Problem Depfa

2010 hat Better jene Bank übernommen, die in Deutschland für das negative Symbol der Finanzkrise geworden ist. Davor war der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) im Deutschen Aktienindex (DAX) notiert gewesen. 2007, als die Geschäfte scheinbar noch gut liefen, kaufte das in München ansässige Haus (das heute unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank/pbb läuft) die Depfa Bank für fünf Milliarden Euro.

Doch diese riss die Mutter beinahe in den Abgrund, der Bund musste massiv Steuergeld in die HRE pumpen und diese 2009 schließlich verstaatlichen. Mittlerweile hat sich die einstige Krisenbank HRE wieder erholt.

Verfrühter Optimismus

Erst vor kurzem hatte die in der Öffentlichkeit kaum bekannte Better bei der Präsentation der Quartalszahlen noch Optimismus verbreitet und erklärt: "Das Ergebnis des ersten Quartals belegt, dass die pbb auf dem prognostizierten Weg für die angestrebte Reprivatisierung ist."

Das Vorsteuerergebnis ist im ersten Quartal im Jahresvergleich um 31 Prozent auf 38 Millionen Euro gestiegen. 2013 übertraf die Bank das Ziel eines Vorsteuergewinns von 150 Millionen Euro mit 162 Millionen Euro deutlich. Zum Vergleich: 2012 waren es 124 Millionen Euro gewesen. Gemäß einer Auflage der EU muss sich der Bund bis 2015 wieder aus der HRE zurückziehen, sie also entweder verkaufen oder an die Börse bringen.

Streit um Verkauf

Und bezüglich der Zukunft der Depfa gab es zwischen Better und dem Bund Unstimmigkeiten. Die Topbankerin sprach sich vehement für den Verkauf des deutsch-irischen Staatsfinanzierers, der seit der Krise kein Neugeschäft mehr macht, aus. Ihrer Meinung nach könnte man damit das meiste Geld herausholen und die Steuerzahler am besten schonen.

Doch der Bund entschied sich, auf Druck der SPD, gegen einen Verkauf an Finanzinvestor Leucadia für 320 Millionen Euro. Am 13. Mai 2014 teilte das Finanzministerium mit: "Die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) wickelt ihre irische Tochter Depfa ab." Somit kommt die Bad Bank der HRE (FMS Wertmanagement) zum Zug. In Berlin hofft man, dadurch deutlich mehr an Erlös einzufahren. Die Risiken allerdings bleiben damit beim Steuerzahler. Früher war auch Schäuble für einen Verkauf gewesen.

Mit Kritik an Betters Abgang reagiert SPD-Finanzexperte und Fraktionsvize Carsten Schneider: "Ich erwarte von hoch bezahlten Bankvorständen, dass sie Entscheidungen der Eigentümer akzeptieren, insbesondere dann, wenn die öffentliche Hand der Eigentümer ist." (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 5.6.2014)

  • Verbitterter Abgang: Manuela Better ist überraschend als Chefin der verstaatlichen HRE-Bank zurückgetreten.
    foto: dpa

    Verbitterter Abgang: Manuela Better ist überraschend als Chefin der verstaatlichen HRE-Bank zurückgetreten.


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