Die Krise der amerikanischen Monarchen

5. Juni 2014, 08:53
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Die Population der Monarchfalter nimmt seit Jahren ab. Mit den Schmetterlingen ist auch ein einzigartiges Naturereignis in Gefahr - ihre jährliche Massenmigration. Kanadische Forscher wollen jetzt die Hauptbedrohung identifiziert haben.

Guelph - Jedes Jahr im Herbst wird die Sierra Nevada zur Kulisse eines weltweit einzigartigen Naturschauspiels: Mehrere hundert Millionen Monarchfalter (Danaus plexippus) der östlichen nordamerikanischen Population ziehen aus Kanada und den USA in das mexikanische Hochland, um dort die Wintermonate zu verbringen. In ihrem Winterquartier besiedeln sie nur wenige Hektar, was die Massenmigration umso eindrucksvoller macht. Da die Lebenserwartung der Schmetterlinge bei nur knapp einem Monat liegt, zieht sich die Wanderung über mehrere Generationen - obwohl einzelne Tiere Strecken von bis zu 4000 Kilometern zurücklegen.

foto: epa/mario vazquez
Im Exil: Hunderte Monarchfalter auf einer Kiefer im mexikanischen Hochland.

Dramatische Entwicklung

Biologen und Umweltschützer berichteten jedoch in den vergangenen Jahren von einer dramatischen Entwicklung: Der Bestand der Monarchfalter ist stetig rückläufig, immer weniger Kolonien erreichen ihr Winterexil und bevölkern dort immer kleinere Areale. Als größte Bedrohung wurden bisher vor allem Beeinträchtigungen der eng begrenzten Überwinterungsgebiete vermutet, insbesondere durch den Klimawandel und illegale Abholzungen. Die Einrichtung staatlicher Schutzgebiete und Maßnahmen gegen den Kahlschlag schienen zwar zu greifen, die Zahl der Schmetterlinge sinkt jedoch weiter. Nun haben Forscher um Ryan Norris von der kanadischen University of Guelph Belege für eine andere Ursache gefunden.

foto: reuters/edgard garrido
Doch immer weniger Kolonien erreichen die Sierra Nevada.

Hauptproblem Corn Belt

Wie sie aktuell im Fachblatt "Journal of Animal Ecology" berichten, liegt das Hauptproblem bei den Brutstätten der Schmetterlinge also vornehmlich nicht in Mexiko, sondern in den USA. Und dort wiederum vor allem bei der industriellen Landwirtschaft: Die großen Monokulturanbauflächen insbesondere im sogenannten Corn Belt im Mittleren Westen der USA, der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut und Pestiziden führten demnach in den vergangenen 15 Jahren zu einem drastischen Rückgang von Seidenpflanzen (Asclepias). Und diese stellen die wichtigste Nahrungsquelle von Monarchraupen dar.

"Der Großteil dieser Pflanzen in den wichtigsten Brutgebieten der Monarchfalter wächst in heute landwirtschaftsintensiven Gebieten", so Norris. Und dort werden die Seidenpflanzen immer weiter zurückgedrängt. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, sei mit weiteren starken Einbrüchen der Monarchenpopulation zu rechnen. Als wichtigste Sofortmaßnahme schlagen die Biologen daher vor, in geschützten, großflächigen Brutarealen Seidenpflanzen anzubauen.

foto: ap/marco ugarte
Dies dürfte vor allem an der industriellen Landwirtschaft liegen.

Tag der Toten

Ob das Sterben der königlichen Edelfalter damit tatsächlich aufgehalten werden kann, ist unklar - den Versuch aber wert. In Mexiko werden die Monarchen übrigens traditionell dem Tod zugerechnet, allerdings in einem anderen Zusammenhang: Ihre Ankunft erfolgt rund um den Día de Muertos (Tag der Toten) im Oktober und symbolisiert traditionell die Rückkehr der Seele verstorbener Angehöriger. (David Rennert, DER STANDARD, 5.6.2014)

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