Gegen die Wegwerfgesellschaft arbeiten

4. Juni 2014, 18:19
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Fachhochschulprojekt will sozialwirtschaftliche Betriebe wettbewerbsfähiger machen

Wien - Junge Jobsuchende, die Umhängetaschen aus Fahrradschläuchen, Planen oder Segeltuch fertigen. Ehemalige Drogensüchtige, die Möbel aus ausgedienten Rolltreppenstücken und Lampen aus Reifenstücken bauen. Langzeitarbeitslose, die Schmuck aus Computerteilen und Kabeln herstellen: Sozialwirtschaftliche Betriebe - etwa die Trashdesign Manufaktur, Garbage Upcycling Design in Wien oder die Leo GmbH in der Steiermark - helfen Menschen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, schwertun mit dem Arbeitsmarkt.

In den Unternehmen überragen soziale und ökologische Ziele das konventionelle Profitstreben. Wechselnde Mitarbeiter fertigen hier aus Gegenständen, die sonst weggeworfen würden, neue Produkte. Das verlangt nach entsprechenden ökonomischen Strategien. "Jeder sozialwirtschaftliche Betrieb hat einen anderen Hintergrund", sagt Katharina Stummer vom Institut für Management und Entrepreneurship der Fachhochschule der Wirtschaftskammer Wien. Die Forscherin hat mit ihrem Team und Partnern ein "Professionalisierungs- und Qualifizierungsprogramm" erarbeitet, das den Verantwortlichen derartiger Projekte das einschlägige Rüstzeug gibt, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. "Wir wollten ein Programm aufsetzen, das sämtliche Bereiche der Betriebswirtschaft abbildet, von der Ideenfindung für neue Produkte bis zur Finanzierung."

Im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts "REuse & REdesignplus", das die nachhaltige Wiederverwertung von Produkten in dem Geschäftsfeld erweitern und sichtbarer machen will, wurden einschlägige Schulungen in Ostösterreich und in Ungarn angeboten. Förderlandschaft und wirtschaftliche Situation in den Ländern sind sehr unterschiedlich, was sich auch in den Rahmenbedingungen niederschlägt, sagt Stummer.

In den Workshops wurden neue Produktideen gefunden und anhand von Potenzial- und Konkurrenzanalyse weiterentwickelt. Auch Kooperationsmöglichkeiten, Marketingstrategien und Details zu Förderungen und rechtlichen Fragen waren Thema. "Das Marketing-Modul war für die ungarischen Betriebe besonders wichtig", sagt Stummer. "Dort wurde bisher kaum etwas im Bereich Öffentlichkeitsarbeit gemacht."

Das Projekt war außerdem mit Lehrveranstaltungen an der FH gekoppelt. Die Studierenden erarbeiteten etwa Marktanalysen und Handlungsempfehlungen und profitieren somit von der Arbeit an einem realen Projekt. Die Workshop-Ideen fanden in den Betrieben selbst Nachhall: Bei der Leo GmbH, die Menschen auf dem Weg in den Arbeitsmarkt unterstützt, wurde nach dem Programm etwa der Prototyp einer fünf Meter hohen "Redesign-Schaukel" umgesetzt. (pum, DER STANDARD, 4.6.2014)

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