"Fußball ist kein Event wie eine Flugshow"

4. Juni 2014, 15:57
414 Postings

Heute empfängt SV Austria Salzburg im Relegations-Rückspiel den FAC. Der Durchmarsch aus den Niederungen in den Profifußball soll vollendet werden. Sportdirektor Gerhard Stöger setzt auf die Macht der Tradition

Wenn irgendwo auf dieser Welt ein schlafender Riese geweckt werden könnte, dann womöglich in Salzburg. Genauer gesagt in Maxglan, im Westen der Stadt. Dort will sich der SV Austria Salzburg am Donnerstag im Rückspiel der Relegation gegen den Floridsdorfer AC in die Erste Liga katapultieren (Do., 18 Uhr). Das Hinspiel in Wien endete mit einem formidablen 2:2. Obwohl der FAC eine Spur besser war.

"Wir zweifeln nicht, geplant wird aber natürlich zweigleisig. Falls wir es nicht schaffen, würde das Kartenhaus nicht zusammenbrechen. Nächste Saison könnten wir als Meister der Regionalliga West direkt in den Profifußball aufsteigen“, sagt Sportdirektor Gerhard Stöger.

In acht Jahren seit der Neugründung hat sich Austria Salzburg durch die Niederungen des Fußballs gekämpft und fünf Meistertitel geholt. Berufsskeptiker prognostizieren dem Verein im Fall der Fälle eine brutal schwere erste Saison in der Ersten Liga. Das Budget ist mit 1,5 Mio Euro bescheiden, der Kader dürfte sich noch stark verändern. Die örtliche Konkurrenz giert nach einigen Talenten und das Gros der Akteure kickt bis dato nur nebenberuflich.

Klingende Duelle 

"Die Spieler, die uns bis hierher gebracht haben, verdienen sich eine Chance in der Ersten Liga. Dort wollen wir uns etablieren. Wir hätten aber alles verkehrt gemacht, wenn sie bei anderen Vereinen nicht begehrt wären.“ Die kommende Saison könnte die attraktivste werden seit Bestehen der Ersten Liga. Mit Innsbruck, LASK, Salzburg und St. Pölten könnten vier Landeshauptstädte in den Ring steigen. Da kann die Bundesliga nicht mithalten.

Das Fanpotenzial von Austria Salzburg ist gewaltig. "Wir haben nur leider keine adäquate Infrastruktur. In der Ersten Liga könnten wir im Schnitt vier- bis sechstausend Zuschauer anziehen, gegen Innsbruck oder den LASK würden wir wohl die Zehntausender-Marke sprengen“, sagt Stöger. Freilich im Konjunktiv. Im Salzburger Stadion in Maxglan werden sich auch gegen den FAC nur knapp 2.000 Zuschauer versammeln, obwohl über 8.000 Kartenanfragen eingegangen waren. Ohne politische Unterstützung geht bei Infrastruktur-Förderungen gar nichts. Heinz Schaden, Bürgermeister von Salzburg, soll ein violettes Herz haben. Stöger: „Das ist schön und gut, aber wir brauchen ein klares Statement. Kultur ist in Salzburg allgegenwärtig."

Mateschitz und seine Berater

Vor 20 Jahren flog Austria Salzburg in die höchsten Sphären des Klubfußballs, finalisierte gegen Inter Mailand im UEFA-Cup. Kontakte zu damaligen Großsponsoren gäbe es, zu Ambitionen von Casinos Austria oder Wüstenrot will Gerhard Stöger aber nichts Spruchreifes los lassen. Ein Sponsor aus den goldenen Zeiten war Rudi Quehenberger. Der jahrelange Präsident der alten Salzburger Austria sagte kürzlich auf einer Jubiläumsfeier der Europacup-Helden: "Meine Austria hat nur einen Nachfolger und das ist Red Bull.“

"Grundsätzlich hat Quehenberger ja Recht. Wir reden hier aber nicht von klaren rechtlichen Bestimmungen, sondern von Tradition“, sagt Stöger, der selbst bei der alten Austria Anfang der 90er-Jahre den Nachwuchsleiter gab. Im Jahr 2005 übernahmen Red Bull und Dietrich Mateschitz den finanziell maroden Verein. "Sehr viele Leute haben sich anfangs gefreut über den Einstieg eines österreichischen Unternehmens. Vielleicht waren Mateschitz‘ Berater nicht besonnen genug. Fußball ist keine Eventveranstaltung wie eine Flugshow. Das wird nicht an einem Wochenende abgehandelt.“ Red Bull änderte damals die Vereinsfarben und strich das Gründungsjahr 1933 aus den Annalen.

Stöger glaubt, dass die Austria und Red Bull in Salzburg koexistieren können: "Red Bull hat das perfekte Marketing. Wir haben die Tradition, eine andere Philosophie. Beides ist legitim.“ (Florian Vetter, derStandard.at, 4.6.2014)

  • Sportdirektor Gerhard Stöger will die Anti-Bullen im Profifußball etablieren.
    foto: pressefoto austria/schernthanner

    Sportdirektor Gerhard Stöger will die Anti-Bullen im Profifußball etablieren.

Share if you care.