Zwischen Aufdrängen und Abdrängen

4. Juni 2014, 15:32
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Teamchef Marcel Koller beunruhigen das mäßige 2:1 gegen Tschechien und die kleinen Baustellen nicht

Wien/Olmütz - Marko Arnautovic sagte, man könne über alles diskutieren. Da er aber überhaupt keine gesteigerte Lust dazu hatte, stellte er mehrmals fest: "Wir brauchen keine große Kritik dazugeben, wir haben ja gewonnen." Am Tag nach dem 2:1 gegen Tschechien analysierte Teamchef Marcel Koller in Wien die Geschehnisse von Olmütz. Er tat es relativ emotionslos und gewohnt sachlich. "Das war sicher eines unserer schlechteren Spiele. Das war nicht das Gelbe vom Ei, die Köpfe waren leer, die Beine schwer. Ich führe diese durchwachsene Leistung auf die Müdigkeit zurück. Sie sollen jetzt den Urlaub genießen, nicht an Fußball denken. Wenn sie wollen, können sie die WM schauen, das habe ich nicht verboten."

Zwölf Tage lang war die österreichische Nationalmannschaft beisammen, es gab 14 Trainingseinheiten und zwei Spiele. Der erste Test bescherte in Innsbruck ein 1:1 gegen Island. Die erste war besser als die zweite Partie, Resultate können lügen. Abgesehen davon hat Tschechien auf Legionäre verzichtet. Koller wollte das Spiel überhaupt nicht als Generalprobe für die EM-Quali werten. "Es vergehen noch drei Monate, dann ist wieder alles auf Ibrahimovic fokussiert, und keiner spricht mehr von Tschechien." Am 8. September gastieren Zlatan Ibrahimovic und Schweden in Wien.

Zuversicht für Quali

Der Teamchef glaubt nicht, zusätzliche graue Haare bekommen zu haben. "Ich zähle sie nicht, vielleicht fallen welche aus. Ich bin nicht beunruhigt, weiß, was die Mannschaft kann. Die Quali wird ein steiniger Weg, aber ich glaube, dass wir es schaffen."

Der ausgedehnte Lehrgang hat Erkenntnisse gebracht. Es ist schon ein immenser Vorteil, wenn zum Beispiel David Alaba und Martin Harnik nicht verletzt sind. Das wusste Koller.

Mit besonderer Flexibilität konnte die Mannschaft nicht dienen. Der Versuch, gegen Tschechien ein 4-1-4-1-System zu probieren, fällt in die Rubriken "Gescheitert" oder "Vielleicht ein anderes Mal". Koller: "Die Räume sind zu groß geworden, die letzte Konsequenz hat gefehlt." Es bleibt also beim 4-2-3-1.

Generationswechsel

Neues, also zusätzliches Personal hat sich aufgedrängt. Speziell Stefan Ilsanker und Marcel Sabitzer hinterließen einen nachhaltigen Eindruck. Arnautovic zählte auch zu den Gewinnern, aber er ist bereits eine alte Kraft. Koller: "Arnautovic ist auf dem richtigen Weg. Obwohl noch Potential nach oben da ist." Ein Generationswechsel scheint sich anzukündigen. Koller wollte das nicht direkt bestätigen. "Wenn sich jemand aufdrängt, heißt das nicht, dass sich andere abdrängen."

Trotzdem wackelt die Gruppe 30 Plus. György Garics, vor allem Emanuel Pogatetz, aber auch Marc Janko und Andreas Ivanschitz, scheinen den Zenit überschritten zu haben. Zudem suchen sie, Ivanschitz ausgenommen, neue Arbeitgeber, was dem Selbstbewusstsein nicht förderlich ist. Das war in den beiden Tests nicht zu verheimlichen. Koller schätzt deren Verdienste, sagte: "Nur junge Wilde genügen nicht. Wir brauchen auch Erfahrung. Jeder Routinier hat das Recht, eine schlechte Leistung abzuliefern."

Die Innenverteidigung in der Quali werden höchstwahrscheinlich Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger bilden. Sie sind 23 beziehungsweise 21 Jahre alt. Zlatko Junuzovic sagte noch: "Es gibt sicher kleine Baustellen, wir müssen da Notfallmaßnahmen finden. Aber jetzt ist Urlaub." (Christian Hackl, DER STANDARD, 5.6.2014)

  • Marcel Koller hat noch nicht frei. Er wird sich in Brasilien die Spiele des Quali-Gegners Russland anschauen.
    foto: apa/ neubauer

    Marcel Koller hat noch nicht frei. Er wird sich in Brasilien die Spiele des Quali-Gegners Russland anschauen.

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