Ebola-Virus breitet sich in Westafrika aus

4. Juni 2014, 13:01
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Ärzte ohne Grenzen verzeichnen Anstieg von Erkrankungen - Bevölkerung verunsichert

Die Ebola-Epidemie breitet sich in Westafrika weiter aus. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) hat deshalb zusätzliche Mitarbeiter in die Region geschickt. Ein Nothilfeteam baut in der Stadt Koindu in Sierra Leone ein Behandlungszentrum auf.

Ende Mai war in dem Staat erstmals ein Ebola-Fall im Labor bestätigt worden. Auch in Guinea hat die Organisation die Aktivitäten auf die Stadt Telimélé ausgeweitet. Sowohl in Telimélé im Landesinneren wie auch in Boffa nahe der Küste sind in den vergangenen Tagen erstmals Ebola-Fälle aufgetreten.

Behandlung auf Isolierstation

Insgesamt haben sich seit März mehr als 300 Menschen mit dem Virus infiziert. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Gesundheitsbehörden beider Länder beim Kampf gegen Ebola. Die Teams behandeln Infizierte in speziellen Isolationsstationen und dämmen die Verbreitung des Virus durch verschiedene Maßnahmen ein.

In Sierra Leone gibt es nach Informationen des Gesundheitsministeriums vom 29. Mai 18 Verdachtsfälle, sechs dieser Patienten sind gestorben. Epizentrum des Ausbruchs in Sierra Leone ist Koindu.

Dort verstärken Spezialisten von Ärzte ohne Grenzen in den kommenden Tagen das Team und die lokalen Gesundheitsbehörden. Auch medizinische und logistische Ausrüstung wie Schutzkleidung für die Mitarbeiter, Medikamente und Material zum Aufbau einer Behandlungseinrichtung für Ebola-Patienten werden dorthin gebracht. Koindu liegt an der Grenze zu Guinea, wo Ebola zuerst ausgebrochen war.

Stoff für Panik

"Ebola ist eine Erkrankung, die den Menschen Angst macht und die als unheimlich wahrgenommen wird, aber man kann sie überleben", erklärt Marie-Christine Ferir, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen.

Seit dem Ausbruch der Epidemie haben mehr als 30 Patienten, die in Guinea von Ärzte ohne Grenzen behandelt wurden, das Virus besiegt. "Es ist wichtig, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, um die Epidemie erfolgreich bekämpfen zu können."

Auch in Guinea gibt es neue Ebola-Fälle. Obwohl die Helfer alles tun, um Ebola einzudämmen, ist die Zahl der bestätigten Fälle in den letzten Wochen wieder gestiegen. Das guineische Gesundheitsministerium verzeichnete bis zum 30. Mai 178 bestätigte Infektionen. 113 Patienten sind gestorben.

Verunsicherte Bevölkerung 

Die Epidemie ist mittlerweile in die Stadt Boffa nahe der Küste und nach Telimélé in der Kindia-Region übergesprungen. Neue Patienten wurden auch in der Hauptstadt Conakry sowie in Guéckédou und Macenta im Süden des Landes verzeichnet.

Die Zunahme an Fällen kann damit zu tun haben, dass viele Patienten nach wie vor davor zurückschrecken, ins Krankenhaus zu gehen. Dass sich infizierte Menschen von Ort zu Ort bewegen und zudem Verstorbene zur Beerdigung transportiert werden, kommt erschwerend hinzu.

Viele Familien bringen ihre Toten selbst zu dem Ort, wo sie begraben werden sollen. Das mache es schwierig, die Epidemie unter Kontrolle zu bringen, sagt Notfallkoordinatorin Ferir von Ärzte ohne Grenzen: "Die größte Herausforderung für uns ist das zögerliche Verhalten der Bevölkerung. Hinzu kommt, dass sich infizierte Personen über Ländergrenzen hinweg bewegen."

Ärzte ohne Grenzen betreibt in Guinea und Sierra Leone fünf Ebola-Behandlungszentren und beschäftigt dort 300 internationale und lokale Mitarbeiter. Mehr als 40 Tonnen Ausrüstung wurden geschickt, um Ebola zu bekämpfen. (red, derStandard.at, 4.7.2014)

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