Planeten in unserer Nachbarschaft dürften aus anderer Galaxie stammen

4. Juni 2014, 12:34
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Der uralte Rote Unterzwerg Kapteyns Stern hat zwei Planeten, einen davon mit potenziell lebensfreundlichen Bedingungen

Göttingen - Ein internationales Astronomen-Team hat bei einem Stern in unserer kosmischen Nachbarschaft zwei Planeten entdeckt - darunter einen mit womöglich lebensfreundlichen Eigenschaften. Er befindet sich in einem Abstand zu seinem Stern, der das Vorhandensein von Wasser in flüssigem Zustand auf der Planetenoberfläche ermöglichen würde, wie die Universität Göttingen mitteilte.

Für ihre Beobachtungen nutzten die Astronomen Daten des HARPS-Spektrometers der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile, des Keck-Observatoriums auf Hawaii und des chilenischen Las-Campanas-Observatoriums.

Alt und von außerhalb

Die beiden Planeten umkreisen Kapteyns Stern, der 13 Lichtjahre von uns entfernt ist und zu den 25 nächstgelegenen Sternen zählt - noch. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Roten Unterzwerg, der nur etwa den dreifachen Durchmesser des Jupiter misst. Die geringe Entfernung ermöglicht es, dass der sehr leuchtschwache Stern trotzdem schon mit kleinen Fernrohren im Sternbild Maler (Pictor) am südlichen Sternhimmel zu sehen ist.

Zugleich ist es ein uralter Stern - er wird auf etwa 13 Milliarden Jahre geschätzt. Und noch etwas ist bemerkenswert: Mag das Sternsystem uns jetzt auch nahe liegen, dürfte es sich ursprünglich sehr viel weiter entfernt befunden haben. "Kapteyns Stern wurde vermutlich außerhalb unserer Galaxie geboren, in einer anderen Zwerggalaxie, die von unserer Milchstraße absorbiert wurde“, sagt Ansgar Reiners vom Institut für Astrophysik der Uni Göttingen.

So ganz hat sich Kapteyns Stern aber nicht integrieren lassen. Er gehört zu den Halosternen, einer ausgedehnten Wolke von Sternen, die in elliptischen Bahnen um die Milchstraße laufen. Kapteyns Stern bewegt sich dabei rückläufig und vergrößert damit die Entfernung zu unserem Sonnensystem immer weiter.

Erkenntnisse zu den Planeten

Ihre Forschungsergebnisse über das Planetensystem von Kapteyns Stern veröffentlichten die Wissenschafter online in der Zeitschrift "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society". "Der erste Planet des Sterns, Kapteyn b, hat eine Umlaufperiode von 48 Tagen und könnte über flüssiges Wasser verfügen", so Reiners. "Er ist mindestens fünfmal so schwer wie die Erde." Der zweite Planet, Kapteyn c, ist massereicher, benötigt 121 Tage für einen Umlauf um sein Zentralgestirn und ist vermutlich zu kalt für flüssiges Wasser.

Von den Planeten sind den Astronomen zufolge derzeit nur ihre ungefähren Massen, ihre Umlaufperioden und die Abstände zu ihrem Stern bekannt. "In Zukunft wird man versuchen, die Atmosphären dieser Planeten zu studieren, um herauszufinden, ob es dort wirklich Wasser gibt", sagt Reiners. (red/APA, derStandard.at, 4.6. 2014)

  • Kapteyns Stern mit seinen zwei Planeten gehört derzeit zu unserer kosmischen Nachbarschaft. Aber so war es nicht immer und so wird es auch nicht bleiben.
    foto: guillem anglada-escudé, university of london

    Kapteyns Stern mit seinen zwei Planeten gehört derzeit zu unserer kosmischen Nachbarschaft. Aber so war es nicht immer und so wird es auch nicht bleiben.

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