Soldaten lachten bei Tiananmen-Niederschlagung

4. Juni 2014, 06:17
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Wahllos Schüsse auf Demonstranten abgefeuert 

Peking/Washington - Bei der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking 1989 haben chinesische Soldaten laut US-Dokumenten lachend wahllos auf Demonstranten geschossen. Ein bisher geheimer US-Militärbericht wurde nun 25 Jahre nach den Ereignissen in der Nacht zum 4. Juni 1989 freigegeben und am Dienstag (Ortszeit) vom Nationalen Sicherheitsarchiv an der George Washington University veröffentlicht.

Der Bericht des US-Militärs zeigt das Chaos, das damals in China herrschte. Unter anderem wird eine nicht genannte Quelle zitiert, die das Geschehen von einem Hotelzimmer am Tiananmen-Platz aus beobachtete und von einem "brutalen" Vorgehen der Sicherheitskräfte sprach. Ziel sei es gewesen, der Demokratiebewegung möglichst große Verluste beizubringen.

"Schossen wahllos"

Soldaten der 27. Armee, die nicht den Pekinger Dialekt sprachen und offensichtlich aus verschiedenen Provinzen eingezogen worden waren, "lachten und schossen wahllos auf Gruppen, denen sie begegneten", heißt es weiter. Noch vor der Offensive aus den Außenbezirken in Richtung Tiananmen-Platz hätten Polizisten in Zivil in einem Restaurant Einzelpersonen festgenommen.

Das Dokument zeigt aber auch, dass die Informationen damals lückenhaft und teilweise falsch waren. So wurde in einem US-Geheimdiensttelegramm am Tag nach der Niederschlagung eine Quelle zitiert, wonach der KP-Führer Deng Xiaoping gestorben sei. In Wahrheit starb Deng erst 1997.

In der Nacht zum 4. Juni 1989 war die chinesische Armee mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die seit Wochen auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) für mehr Demokratie demonstriert hatten. Dabei wurden hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen getötet. Die Führung in Peking begründete das Vorgehen mit der Notwendigkeit, "Chaos" zu beenden. Bis heute lässt sie keine wirkliche Aufarbeitung der Vorfälle zu.

Die chinesischen Behörden hatten im Vorfeld des Gedenkens an die blutige Niederschlagung der Proteste auch die Internetzensur weiter verschärft. So funktionierten Angebote des US-Konzerns Google praktisch nicht mehr. (APA, 4.6.2014)

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