Do & Co buhlt um Hédiard

3. Juni 2014, 19:29
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Gewinnanstieg trotz Problemen mit Henry am Zug

Paris/Wien - Der Caterer Do & Co könnte bald in Frankreich feiern. Am Mittwoch wird voraussichtlich die Entscheidung fallen, wer den Zuschlag für das Traditionshaus Hédiard erhält - Do & Co liegt an aussichtsreicher Stelle.

Neben Do & Co und der schweizerischen Ledunfly liegt seit vorigem Freitag überraschend auch ein Angebot von Epicure Investments vor, eines angelsächsischen Fonds. Sein Kaufangebot ist kaum bekannt. Das Pariser Wirtschaftsmagazin Challenges bezeichnet die Offerte von Ledunfly als "immer solider", Do & Co als "sehr motiviert". In Sachen Arbeitsplätzen stehe Ledunfly mit dem Versprechen, die 134 Stellen zu bewahren und sogar auszubauen, aber "unzweifelhaft" am besten da.

Hédiard gilt in Paris als Inbegriff französischer Feinkost. In seinen Läden zu stöbern, zu naschen oder sogar zu kaufen, gehörte bisher zum letzten Chic der französischen Hauptstädterinnen. Hédiard ist jedoch kein Trendobjekt für Neureiche, sondern stellt alten Gastroadel dar.

Ferdinand Hédiard, aus der Provinz nach Paris gekommen, eröffnete 1854 sein erstes Geschäft. Zuvor war er, von den neuartigen Gemüse- und Früchteauslagen jener Zeit fasziniert, selber mit dem Schubkarren durch die Straßen von Paris gezogen, um Frischprodukte aus Frankreich und den Kolonien zu verkaufen. Über die nachfolgenden Generationen dehnte sich die Kette langsam aus, um auf ihren Höhepunkt im 21. Jahrhundert 39 Läden und 181 Hédiard-Corners in dreißig Ländern zu umfassen.

Die Traumauslagen seiner Schaufenster verbargen in den letzten Jahren aber einen schlechten Geschäftsgang. Nicht nur die Krise setzte Hédiard zu, sondern auch schlechtes Marketing und eine zum Teil überzogene Preispolitik. Das Unternehmen wechselte mehrfach den Eigentümer. Im Oktober 2013 weigerte sich der russische Besitzer Sergueï Pugatschew, neues Kapital einzuschießen. Ende des Jahres wurde ersichtlich, warum: Bei einem Umsatz von 17,5 Mio. Euro hatte Hédiard sechs Millionen verloren.

Entsprechend groß war der Schock in Paris, als zur Jahrtausendwende die Meldung die Runde machte, Hédiard werde vielleicht geschlossen. Allerdings meldeten sich sofort mehr als ein halbes Dutzend Kaufinteressenten. Viele warfen bald das Handtuch oder boten nur einen symbolischen Euro für die Übernahme.

Wie auch immer das Rennen um Hédiard ausgeht - Do & Co hat im Geschäftsjahr 2013/14 trotz Problemen mit "Henry am Zug", dem Caterer für die ÖBB, den Gewinn um 14 Prozent auf 26,1 Mio. Euro gesteigert. Die Aktionäre können mit einer Dividende von 85 Cent je Aktie (nach 50 Cent im Vorjahr) rechnen, sagte Do & Co-Chef Attila Dogudan. Bei "Henry am Zug" sei mittlerweile auch "Land in Sicht", sagte Dogudan. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 4.6.2014)

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