2.500 Alitalia-Mitarbeitern droht Jobverlust

3. Juni 2014, 18:45
3 Postings

Die von Etihad für die Alitalia-Beteiligung gestellten Bedingungen sind für die Italiener eine bittere Pille

Bis zu 600 Millionen Euro will die arabische Fluggesellschaft Etihad Airways in die hochverschuldete und mit massiven Verlusten kämpfende Alitalia investieren, um damit bis zu 49 Prozent an der Airline zu erwerben.

Die von Etihad für die Alitalia-Beteiligung gestellten Bedingungen sind für die Italiener eine bittere Pille: Personalkürzungen von bis zu 2500 Beschäftigten und ein üppiger Haircut für die Gläubigerbanken. Zur Kasse wird dabei auch die Bank-Austria-Mutter UniCredit gebeten, die gemeinsam mit Banca Intesa Sanpaolo und Monte dei Paschi di Siena zu den größten Gläubigerbanken zählen.

Insgesamt weist Alitalia Schulden von 900 Millionen Euro auf. Davon entfallen 586 Millionen Euro auf die Banken. Die Alitalia-Gläubigerbanken haben Etihad Airways nun eine Kompromisslösung beim Schuldenabbau vorgeschlagen: Sie wollen ein Drittel ihrer Kredite, also 180 Millionen Euro, annullieren und zwei Drittel mit kurzfristigen Wandelanleihen in Eigenkapital wandeln.

Alitalia soll mithilfe der neuen Finanzspritze neun neue Flugzeuge erwerben und die Interkontinentalflüge bis 2018 erheblich ausweiten. Die Langstreckenflüge vom Airport Rom sollen von derzeit 85 auf 100 und jene vom Mailänder Airport Malpensa von elf auf 25 Flüge pro Woche steigen. Der Mailänder City-Airport Linate soll ausgebaut werden. Durch die Investitionen sollen nicht nur stabile Finanzen bei Alitalia gesichert, sondern auch die Schlüsselrolle der Airline im Tourismus gefestigt werden. So haben Alitalia und Etihad bereits eine gemeinsame Marketinginitiative angekündigt: Den Auslandsitalienern sollen zur Zeit der Expo 2015 in Mailand stark ermäßigte Flugtarife gewährt werden, um ihr Heimatland zu besichtigen.

Tourismus bekommt Schwung

Für Italiens Tourismus kommen nach einem zweijährigen Rückgang wieder Belebungssignale. Dies bestätigt auch der Direktor der Österreich-Werbung in Mailand, Michael Strasser. Im Zeitraum Jänner bis April legten die Ankünfte italienischer Gäste in Österreich wiederum um fünf Prozent zu. Profitiert haben dabei vor allem Salzburg und Wien. Die Bundeshauptstadt registrierte im Berichtszeitraum mit 83.000 Ankünften 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Stadt Salzburg verbuchte im selben Zeitraum ein Plus von 16,5 Prozent. Schließlich hat auch die jüngste Salzburg-Initiative in Mailand, das Branding der Metrostation "Duomo", zum Erfolg beigetragen.

Auch wenn es auf den ersten Blick scheint, als stecke Etihad erneut viel Geld in ein Fass ohne Boden - als solches hat sich sowohl Air Berlin als auch Alitalia bisher entpuppt -, könnte der Golf-Airline gleichwohl ein Coup in Europa glücken. Denn das Netz in Europa mit weiteren Beteiligungen bei Air Lingus (Irland), Air Serbia und Etihad Regional (Schweiz) hat sich mit dem Alitalia-Engagement beachtlich gefestigt. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 4.6.2014)

Share if you care.