Wer am Fußball-Weltverband anstreift

3. Juni 2014, 18:14
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Nach WM-Gastgeber Katar steht auch Mitbewerber Australien unter Korruptionsverdacht

Sydney/Zürich - Die Vermutung, dass jeder, der sich um die Ausrichtung einer Fußball-WM bemüht, früher oder später in den Ruch der Korruption gerät, liegt nahe. Am Tag, nachdem in der Football Federation Australia (FFA) laut darüber nachgedacht worden war, sich neuerlich zu bewerben, sollte Katar der Endrunde 2022 wegen Schmiergeldzahlungen verlustig gehen, steht die FFA selbst am Pranger.

Bonita Mersiades, eine hochrangige Funktionärin der FFA während der Bewerbung, zieh den Verband illegaler Zahlungen. Auch die Australier hätten damals Geld in Entwicklungsprojekte gesteckt. "Es waren immerhin vier Millionen US-Dollar für die Fußballföderation Ozeaniens. Das ist über die australische Regierung gelaufen", sagte Mersiades, die selbst der FFA im Jänner 2010 den Rücken kehrte.

Die Frage sei nun, ob die Zahlungen mit Stimmen für Australien bei der WM-Vergabe verknüpft gewesen seien. Mersiades: "Falls ja, ist da für mich kein großer Unterschied zum Verhalten Katars zu erkennen."

Geld für Renovierungsarbeiten

Der Sydney Morning Herald berichtete zudem von 462.000 US-Dollar, die der ehemalige Fifa-Funktionär Jack Warner für Renovierungsarbeiten in einem Stadion seiner Heimatinsel Trinidad erhalten habe. Warner, 2011 von seinem Ämtern im Weltverband zurückgetreten und nur noch Politiker seines Landes, gehörte zum Kreis jener Funktionäre, die durch Stimmenkauf versucht haben sollen, Mohamed bin Hammam aus Katar auf den Fifa-Präsidentensessel zu hieven. Bin Hammam spielt wiederum in den jüngsten Korruptionsenthüllungen der Sunday Times zur WM 2022 in Katar die zentrale Rolle. Er soll demnach auch Warner, damals Fifa-Vizepräsident und Mitglied der Exekutive, mit mehr als einer Million Euro erfreut haben.

Die möglichen australischen Verfehlungen sollen bereits Gegenstand der Untersuchungen von Fifa-Chefermittler Michael Garcia sein. Der ehemalige US-Staatsanwalt hat angekündigt, am 21. Juli seinen Untersuchungsbericht zu den Vorgängen um die WM-Vergabe 2022 der Fifa-Ethikkommission unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert unterbreiten zu wollen. Die Revidierung der Entscheidung von 2010 wäre aber erst beim Fifa-Kongress 2015 möglich, denn die nächste Vollversammlung aller Mitgliedsverbände findet bereits nächste Woche, also vor dem WM-Anpfiff in São Paulo, statt. (sid, lü, DER STANDARD, 4.6.2014)

  • Fifa-Chefermittler Michael Garcia.
    foto: reuters/buholzer

    Fifa-Chefermittler Michael Garcia.

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