Träume aus Klebeband

3. Juni 2014, 18:16
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"Hedda Gabler" am Innsbrucker Theater Praesent: Regisseur Johannes Gabl sieht die junge Ehefrau als destruktive Femme fatale

Innsbruck - Das Theater Praesent - ein überschaubarer, knapp fünfzig Personen fassender Kellerraum im Souterrain eines bürgerlichen Wohnhauses in der Jahnstraße 25 - hat sich in den vergangenen Jahren als fixe Größe der quirligen wie spannenden Innsbrucker Off-Theater-Szene etabliert. Derzeit ist dort Henrik Ibsens Hedda Gabler (1890) in der Inszenierung von Johannes Gabl zu sehen.

Caroline Mercedes Hochfelner verkörpert Hedda Gabler als platinblonde, kühle Femme fatale. Die Männer sind ihr erlegen, dennoch vermag sie für diese lediglich grenzenlose Verachtung aufzubringen. Recht zwanglos hantiert sie mit ihrer Pistole, und unverhohlen formuliert sie ihre Abgründigkeit - einmal Herrschaft über ein Menschenschicksal haben zu wollen. Max Pfnür legt Heddas schalen Ehemann Jørgen Tesman am Rande zur Selbstverleugnung an. Den Ansprüchen der Gattin bei weitem nicht gewachsen, widmet er sich ganz der Wissenschaft und den Karrierezielen. Benjamin Lang gibt einen labilen wie groben Ejlert Løvborg, der Tesman in jeder Hinsicht schärfster Rivale ist, sowohl in der Wissenschaft als auch bei Hedda. Und Daniela Bjelobradic stellt Thea Elvsted als Hascherl bar jeden Selbstwertgefühls dar, das aber dennoch Heddas rasende Eifersucht auf sich zieht.

Regisseur Johannes Gabl gelingen mithilfe von Musik und Licht stimmige Momente. Die omnipräsente Tante Julle, die wie ein Damoklesschwert über der jungen Beziehung schwebt, existiert nur als Telefonstimme; und der Richter ist via Videotelefonie live zugeschaltet.

Gabl lässt die Figuren mit Klebeband ihre Sehnsuchtsräume erschaffen: Tesman pickt sich ein Regal mit Büchern an die Wand, Hedda klebt ihrerseits ein Fenster an die Mauer und schnipselt Vögel und Sterne hinein. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD, 4.6.2014)

  • Hedda (Caroline Mercedes Hochfelner) hat geheiratet, das neue Heim ist aber zappenduster.
    foto: hans danner

    Hedda (Caroline Mercedes Hochfelner) hat geheiratet, das neue Heim ist aber zappenduster.


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