Wo die Fachkräfte herkommen

3. Juni 2014, 18:34
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Experte sieht Grundlagenforschung als Ausbildungsstätte

Wien - Wenn es um die Finanzierung der Grundlagenforschung geht, dann taucht vereinzelt noch immer das Fehlurteil auf, dass eine Kürzung in diesem Bereich keine unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen hat. Der Innovationsökonom Jürgen Janger vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo sieht das deutlich kritischer. Er sagt zum STANDARD: "In der Grundlagenforschung werden junge Fachkräfte ausgebildet. Kommt es zu Kürzungen, dann fehlen die recht bald in der Wirtschaft."

Uni-Absolventen seien begehrt, der Mangel an ihnen vor allem in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern werde von der Industrie seit vielen Jahren beklagt. Janger wird darüber in der Diskussionsveranstaltung Club Research am Mittwoch in Wien sprechen. "Man muss die Grundlagenforschung als Ausbildungsstätte begreifen."

Janger wird auch davon sprechen, dass die Qualität der Unis und ihrer Dokoratsprogramme entscheidend ist für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Ein Wissen, das vom Wifo im Rahmen einer aktuellen Studie mit Zahlen belegt wird. Janger: "Unternehmen siedeln sich dort an, wo es gute Unis gibt." Die Schweiz zeige mit den drei topgereihten Hochschulen Uni Zürich, ETH Zürich und ETH Lausanne vor, wie es geht. In Österreich setze die Politik in dieser Frage zu wenig auf die Qualität der Unis. "Der Forschungsstandort wird zwar intensiv beworben, aber den Unis fehlt das Geld."

Erstklassige Doktoratsprogramme wie in den USA führen auch zu einer verstärkten Gründertätigkeit. "Hier entsteht viel Transfer zur Wirtschaft", sagt Janger. Die Grundlagenforschung habe somit einen enormen Anteil am Innovationsprozess der USA. In Österreich müsse man auch darauf achten, wenn man mehr Gründer in der heimischen Wirtschaft haben möchte. (pi, DER STANDARD, 4.6.2014)


Club Research "Vom Blue Sky zur Marktreife: Was Grundlagenforschung im Innovationsprozess leistet". Am Podium: Quantenphysiker Markus Arndt, FWF-Präsidentin Pascale Ehrenfreund, Gerhard Murer, Chief Scientific Officer bei Anton Paar, und Susanne Weigelin-Schwiedrzik, Vizerektorin für Forschung, Universität Wien.

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