US-Militär will gegen freigetauschten Soldaten ermitteln

3. Juni 2014, 16:03
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Bergdahl soll von seinem Posten in Afghanistan desertiert sein - Obama verteidigt Vorgehen

Washington - US-Präsident Barack Obama hat den Gefangenenaustausch mit den Taliban zur Freilassung des vor fünf Jahren entführten US-Soldaten Bowe Bergdahl verteidigt. "Die Vereinigten Staaten haben immer eine ziemlich heilige Regel gehabt. Das ist, dass wir unsere Männer und Frauen in Uniform nicht zurücklassen", sagte Obama am Dienstag in Warschau.

"Wir haben eine Chance gesehen, wir hatten Sorge um die Gesundheit von Feldwebel Bergdahl (...) und wir haben diese Chance ergriffen", erklärte der US-Präsident.

Vermittler Katar

Eine Spezialeinheit der US-Armee hatte den Mitte 2009 in Afghanistan entführten Bergdahl am Samstagabend in Empfang genommen. Im Gegenzug ließ Washington fünf ranghohe afghanische Taliban-Mitglieder aus dem Gefangenenlager Guantanamo frei. Die Männer wurden nach Katar überstellt und müssen sich dort mindestens ein Jahr unter strikter Überwachung aufhalten. Das Golfemirat hatte den Gefangenenaustausch vermittelt.

Mehrere republikanische Kongressabgeordnete übten scharfe Kritik an dem Deal mit den radikalislamischen Taliban, die gegen die internationalen Truppen am Hindukusch kämpfen und die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verlorene Macht in Afghanistan wiedererlangen wollen. Die Vorwürfe gegen das Weißen Haus lauten, mit "Terroristen" verhandelt und einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen zu haben. Einige Republikaner beschuldigten Obama zudem des Rechtsbruchs, weil der Präsident den Kongress nicht wie vorgeschrieben 30 Tage vor der Entlassung von Guantanamo-Häftlingen informiert habe.

Entschuldigung vor dem Kongress

Der Vize-Sicherheitsberater der USA hat sich einem Medienbericht zufolge dafür entschuldigt, dass der Austausch ohne Rücksprache mit dem Kongress über die Bühne ging.

Tony Blinken habe die Senatorin und Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Dianne Feinstein angerufen, berichtete das Online-Magazin "The Hill" am Dienstag. "Er hat sich entschuldigt und gesagt, es war ein Versehen", sagte Feinstein dem Bericht zufolge.

Tote bei Suche

Der Gefangenenaustausch ist auch deshalb so umstritten, weil Bergdahl im Juni 2009 unter zweifelhaften Umständen von seinem Posten nahe der afghanisch-pakistanischen Grenze verschwand. Einige seiner damaligen Kameraden werfen dem Soldaten US-Medien zufolge vor, desertiert zu sein. Vor seinem Verschwinden soll sich Bergdahl kritisch über den US-Einsatz in Afghanistan geäußert haben. Mindestens sechs US-Soldaten kamen Medienberichten zufolge bei der Suche nach dem vermissten Soldaten ums Leben.

US-Generalstabschef Martin Dempsey machte deutlich, dass Bergdahl für etwaige Verfehlungen noch immer disziplinarisch belangt werden könne. "Unsere Armeeführung wird nicht über Fehlverhalten hinwegsehen, sollte es passiert sein", erklärte Dempsey am Dienstag. Der Generalstabschef betonte aber, dass auch für Bergdahl die Unschuldsvermutung gelte. "Die Fragen zu dem Verhalten dieses bestimmten Soldaten sind getrennt von unseren Bemühungen, jedes Mitglied des US-Militärs aus feindlicher Gefangenschaft zurückzuholen", betonte er.

Der mittlerweile 28-jährige Bergdahl wurde nach seiner Freilassung zur medizinischen Behandlung ins US-Lazarett Landstuhl bei Kaiserslautern geflogen. Wann er in die USA zurückkehrt, war noch unklar.  (APA, 3.6.2014)

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