Grenzübergreifende Analyse: Was unter dem Voralpenland schlummert

3. Juni 2014, 15:22
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Experten aus sechs Ländern erstellen ein einheitliches 3D-Modell

Graz/Leoben/Wien - "Die tiefen sedimentgefüllten Molassebecken entlang des nördlichen Alpenrandes zwischen Lyon, München und Wien und entlang des südlichen Alpenrandes verfügen über ein hohes geothermisches Potenzial, Speicherkapazitäten für Wind-und Sonnenenergie sowie Raum für die Speicherung von Gasen oder Kohlendioxid": So fassen es die Experten des EU-Projektes "GeoMol" zusammen, an dem auch die geologische Bundesanstalt, Forscher der Montanuniversität Leoben und der steirischen Forschungsgesellschaft Joanneum Research beteiligt sind.

Mit diesem Projekt versuchen Experten aus Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und Slowenien, länderübergreifend ein einheitliches 3D-Modell des unterirdischen Voralpenraums zu erstellen - schließlich halten sich die Strukturen im Untergrund nicht an die Ländergrenzen an der Oberfläche. Am 5. und 6. Juni werden in Leoben erste Ergebnisse präsentiert.

Vernetzung, Verknüpfung und Vereinheitlichung

Seit rund zwei Jahren ist das Projektteam damit beschäftigt, die bisher auf unterschiedlichen Datenbanksysteme der jeweiligen Ländern aufbauenden Geodaten nach schlüssigen Kriterien und Richtlinien auszuwerten, mit Bohrungsdaten zu validieren, zusammenzuführen und abrufbar zu machen. Die grenzübergreifenden Informationen sollen dann nicht nur eine verbesserte Bewirtschaftung der Geopotenziale ermöglichen sondern auch eine Abwägung der gegenseitigen Beeinflussung des Nutzungen und möglicher Risiken ermöglichen.

In der Schweiz sei zurzeit beispielsweise die Frage der CO2-Verpressung im Untergrund von besonderem Interesse. Und letztlich werde das Modell auch die Verortung möglicher Zonen zur Schiefergasgewinnung durch Fracking samt damit einhergehender geologischer Risikoeinschätzung ermöglichen - "auch wenn das zurzeit in Österreich eher auf Ablehnung stößt", sagt Sebastian Pfleiderer von der Geologischen Bundesanstalt in Wien.

"Thema der aktuellen Konferenz in Leoben ist vor allem die multiple Nutzung des tiefen Untergrundes für Geothermie, CO2-Speicherung und Erdgas-Vorratsspeicherung", so der österreichische Projektleiter. Die effiziente Nutzung dieser Ressourcen steht oftmals in Konkurrenz z. B. mit der Grundwasserversorgung oder der Öl- und Gasgewinnung. Daher sei bisher meistens nur eine Ressource in einer Tiefenschicht genutzt worden, "obwohl möglicherweise in verschiedenen Tiefen mehrere Nutzungen gleichzeitig möglich wären". Das 3D-Modell werde zeigen "was wo theoretisch und praktisch möglich ist", so Pfleiderer. (APA/red, derStandard.at, 3.6. 2014)

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