Sekt am Frühstücksbuffet

5. Juni 2014, 17:21
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Das prickelnde Nobelgetränk lässt zwar über kulinarische Ausfälligkeiten hinwegblicken - doch wird das reichen?

Pro

Von Andrea Schurian

Nein, Sekt ist nicht der neue Champagner, das Dreisternequartier allerdings auch nicht das Kempinski. Also Be- und Vergnügen mit dem, was es gibt: proseccosprudelnde Polyphenole als rezeptfreie Morgenstimmungsaufheller und Augenöffner - etwa, dass man sich den Nebenbarhocker am Vorabend doch ein wenig (zu) schöngetrunken hat. Derart sekternüchtert dann der Aufbruch zur touristischen Erforschung der Fremde. Reisende mit einer beruflichen Mission bleiben natürlich abstinent. Schließlich will Mann zur Advokatenkonferenz ohne Fahne antanzen und Frau beim Kuratorenmeeting auch gute Figur machen. Aber! Ganz falsch!

Kurz zusammengefasst: Polyphenole steigern - Trauben sei Dank - die Konzentration von Stickoxid im Blut, was eine Verbesserung des Blutdrucks und auch der Aufnahmefähigkeit bewirkt. Sicher, man könnte auch wechselduschen, sich mit Kaffee aufputschen und zwecks Polyphenolen alkoholfreien Traubensaft runterkippen. Wirkt sicher auch. Ist halt nicht sehr prickelnd.

Kontra
Von Peter Mayr

Irgendwann wurde falsch abgebogen. Aus einer Stärkung am Morgen ist ein Event geworden. Frühstück ersetzt das Mittagessen. Als Brunch getarnt, können Käsescheiben und ein bisserl Schinken den ganzen Tag über angeboten werden. Personal braucht es auch kaum mehr. Der Gast ist sein eigener Kellner. Das Buffet regiert. Vielleicht soll ein Glaserl Sekt etwas Eleganz bringen. Noble Tünche, mehr ist das nicht. Die offen zur Schau gestellte Gier der Frühstücker konterkariert jeden Schick. Da werden Massen auf einen Teller geschaufelt, und als Kitt für den Essensturm wird Frischkäse verwendet. Ja, es braucht Alkohol, um das alles zu ertragen.

Sekt wird nicht reichen. Schon einmal gefragt, warum Speisen hinter einem Spuckschutzglas liegen? Warum das kleine Gasflammerl seit Stunden die gleichen Eier wärmt? Und ja nicht den Proviant für später vergessen! Hier braucht es kein Florett. Das Schwert ist gefordert. Hochprozentiges also. Vielleicht kann man sich ja ein Buffet schönsaufen. Und beim Abgang ein, zwei Magenbitter. Prost Mahlzeit!

(Rondo, DER STANDARD, 6.6.2014)

  • Artikelbild
    foto: lukas friesenbichler
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