60 Pestizide in Österreichs Flüssen nachgewiesen

3. Juni 2014, 13:17
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Nur vier der 60 Pestizide in Wasserrahmenrichtlinie geregelt - Viele der Stoffe zeigen hormonelle Wirkung

Wien - In 22 von 42 stichprobenartig untersuchten Flüssen in Österreich wurden insgesamt 60 unterschiedliche Pestizide nachgewiesen. 15 davon gelten als hormonell wirksame Chemikalien, die mit Missbildungen bei Fischen und Amphibien in Zusammenhang gebracht werden. Das ist ein Ergebnis einer Reihe von Tests, die im Auftrag von Global 2000 durchgeführt und am Dienstag in Wien präsentiert wurden.

Am höchsten waren die Belastungen in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft in Ostösterreich. Die meisten Pestizide, nämlich bis zu 40, fanden sich im Rußbach und im Mühlbach im niederösterreichischen Marchfeld, erklärte Helmut Burtscher, Chemiker der Umweltorganisation, bei einer Pressekonferenz. Große Belastungen wurden auch in der Wulka im Burgenland gemessen.

Weichmacher und Insektizide

Von 60 Pestiziden sind lediglich vier in der Wasserrahmenrichtlinie geregelt. Die restlichen 56 müssen gesetzlich weder untersucht werden, noch existieren Umweltnormen oder Grenzwerte für ihre Konzentration in Gewässern.

Das Umweltbundesamt (UBA) untersuchte für Global 2000 drei Trinkwasser- und 16 Fließgewässerproben auf kommunale Verunreinigungen sowie Phthalate, die hauptsächlich als Weichmacher in PVC verwendet werden. Sie werden in Fußböden verarbeitet, in Polstermöbeln, bei der Produktion von Insektiziden und Körperpflegemitteln und kommen auch in Medikamenten vor. Phthalate waren in zehn der Fließgewässer vorhanden, jeweils unter dem Grenzwert für Oberflächengewässer.

Toxikologische Bedeutung vielfach ungeklärt

Von acht Leitsubstanzen, die als Indikator für kommunale Verunreinigungen untersucht wurden, fanden sich sieben in Fließgewässern: Medikamente, synthetische Süßstoffe und Korrosionsschutzmittel. Nach heutigem Wissensstand stellten die gemessenen Konzentrationen keine Gefährdung für den Menschen dar, erklärte Karl Kienzl, stellvertretender UBA-Geschäftsführer. "Immer mehr Chemikalien gelangen in die Umwelt. Die toxikologische Bedeutung ist vielfach noch ungeklärt, vor allem die Kombinationswirkung", gab Kienzl zu bedenken.

"Landwirte verwenden Pestizide nicht aus Jux und Tollerei", hielt Global-2000-Chemiker Burtscher fest. Er fordert Änderungen der Förderungen mit Lenkungseffekt - vor allem für den Verzicht auf Neonicotinoide und Phthalate - und ein Umdenken bei Konsumenten: Äpfel mit Schorf sind zwar nicht makellos, schmecken aber ebenso gut. Darüber hinaus plädiert Global 2000 für Monitoring der Pestizideinträge in Gewässer.

Landwirtschaftskammer wehrt sich

Von einem "herbeigeredeten Umweltskandal" sprach Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, in einer Reaktion auf die Studie. "Selbstverständlich weisen Österreichs Flüsse, Bäche und Seen im europäischen Vergleich eine hohe Qualität aus, wie der Wassergütebericht 2013 auch bestätigt. Selbstverständlich arbeiten Österreichs Bäuerinnen und Bauern höchst professionell im Einklang mit der Natur und decken Tag für Tag den Tisch der Konsumenten. Selbstverständlich war noch nie zuvor die Ernährung mit qualitativ so hochwertigen Lebensmitteln in so ausreichender Menge so leistbar wie heute", so Schultes in einer Aussendung. "Eine von Spenden abhängige Organisation im Umfeld einer großen Werbekampagne" würde laut dem Kammerpräsidenten "gern einmal kräftiger auftragen". (APA/red, derStandard.at, 3.6.2014)

  • Österreichs Flüsse sind nicht so naturbelassen wie sie wirken
    foto: apa / borut stumberger / wwf

    Österreichs Flüsse sind nicht so naturbelassen wie sie wirken

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