Lebensräume asiatischer Steppenwanderer werden zerschnitten

3. Juni 2014, 12:32
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Wirtschaftsboom in der Mongolei zeigt Folgen - Forscher fordern Planungsprozess, der die Bedürfnisse von Gazellen und Wildeseln berücksichtigt

Wien - Die Steppen Zentralasiens beherbergen immer noch einen Teil der einstmals artenreichen Megafauna: Große Herden von Grasfressern, die jedoch Raum für Wanderungen brauchen. Und dieser Raum wird im Gobi-Steppenökosystem in der südlichen Mongolei durch Bahnstrecken und Zäune immer mehr eingeschränkt, warnen  Forscher im Fachjournal "Conservation Biology".

Wanderer der Steppe

Allen voran die im Vergleich zu ihren afrikanischen Verwandten eher unbekannte Mongolische Gazelle (Procapra gutturosa), deren Männchen einen charakteristischen Kropf haben. Wie viele der bis zu 1,60 Meter langen Tiere es noch gibt, darüber gehen die Schätzungen auseinander: Zwischen einigen 100.000 und zwei Millionen oder mehr - als gefährdet gilt die Art bislang jedenfalls nicht.

Weniger rosig sieht es beim Asiatischen Esel (Equus hemionus) aus, der als stark gefährdet gilt. Ebenso wie die Gazellen-Herden legen auch die kleineren Gruppen der Esel weite Distanzen zurück. Wissenschafter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni haben etwa gezeigt, dass Wildesel in einem Jahr auf einer Fläche von bis zu 70.000 Quadratkilometer umherstreifen.

Zerschnittener Lebensraum

Hindernisse wie die Zäune entlang der Grenzen zu Russland und China und der trans-mongolischen Eisenbahn haben deshalb gravierende Auswirkungen. So finden sich etwa westlich dieser Bahnstrecke keine Wildesel mehr. Es wurde bereits beobachtet, dass die die Überquerung von Bahnstrecken vermeiden.

Die Wissenschafter raten deshalb angesichts des derzeitigen mongolischen Wirtschaftsbooms und seiner Folgen zu "einem Planungsprozess, der die negativen Einflüsse der Wirtschaftsentwicklung auf das Ökosystem mindert", so der Initiator des Aufrufs, Kirk Olson, von der Naturschutzorganisation "Fauna & Flora International". Neue Bahnlinien sollten wenn möglich entlang bereits bestehender Verkehrsadern geführt und Ausgleichsmaßnahmen wie Grünbrücken eingeplant werden. (red/APA, derStandard.at, 3.6. 2014)

  • Eingeschränkte Möglichkeiten: Eine kleine Herde von Wildeseln zieht an einem Zaun entlang.
    foto: petra kaczensky / vetmeduni vienna

    Eingeschränkte Möglichkeiten: Eine kleine Herde von Wildeseln zieht an einem Zaun entlang.

  • Auch Przewalski-Pferde leben im ewigen Steppenzyklus des Wanderns. Diese Art dürfte im 20. Jahrhundert in freier Wildbahn ausgestorben sein, konnte aber in der Mongolei wieder ausgewildert werden.
    foto: apa/epa/peter oetzmann

    Auch Przewalski-Pferde leben im ewigen Steppenzyklus des Wanderns. Diese Art dürfte im 20. Jahrhundert in freier Wildbahn ausgestorben sein, konnte aber in der Mongolei wieder ausgewildert werden.

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