HIV-Therapie minimiert Übertragungsrisiko

3. Juni 2014, 12:02
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Virushemmende Medikamente können eine HIV-Übertragung auf den Partner weitgehend verhindern

Virenhemmende Medikamente verringern bei HIV-infizierten Menschen die Zahl der Erreger so stark, dass sie auch bei ungeschütztem Sexualverkehr den Sexualpartner nicht oder allenfalls höchst selten infizieren. Dies zeigt die europaweite "Partner-Studie", in welche 1.145 serodiskordante Paare eingeschlossen wurden, das heißt, je ein Partner war HIV-positiv und einer HIV-negativ.

Die HIV-infizierten Partner waren so gut mit Medikamenten behandelt, dass keine Viren mehr im Blut nachweisbar waren. Beim Sex mit einem mit dem HI-Virus infizierten Partner sollten Paare aber dennoch nicht auf Kondome verzichten, raten Infektiologen. Auf dem 12. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2014; 25. bis 28. Juni in Köln) werden die detaillierten Ergebnisse der aktuellen Studie präsentiert.

Niedrige Viruslast

Die wissenschaftliche Untersuchung, die europaweit an mehr als 75 HIV-Therapiezentren durchgeführt wurde, untersucht das Risiko einer HIV-Übertragung bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr, wenn der jeweils infizierte Partner erfolgreich mit Medikamenten behandelt wird. Bei konsequenter Einnahme virushemmender Medikamente gelingt es heute, die sogenannte "Viruslast" auf weniger als 40 HIV-RNA Kopien pro Milliliter im Blutplasma zu senken. Das heißt, im Blut der behandelten Patienten befindet sich nur sehr wenig Erbmaterial der AIDS-auslösenden Viren.

Die Forscher untersuchten und befragten 458 homosexuelle und 687 heterosexuelle Paare. Bei durchschnittlich einem ungeschützten Geschlechtsverkehr pro Woche und Paar wurde das HI-Virus nicht zwischen den Partnern übertragen, so das Ergebnis. Dennoch infizierten sich einige Teilnehmer - jedoch über weitere Sexualpartner außerhalb der festen Partnerschaften: "Über die Analyse der genetischen Struktur der Viren konnten wir eine Infektion über den festen Partner ausschließen", sagte Jan van Lunzen, Kongresspräsident des KIT und Leiter der deutschen Studiengruppe der Untersuchung.

Individuelle Entscheidung

Ein kleines statistisches Rest-Infektionsrisiko bleibt, betont van Lunzen. Es ist außerdem bei Analverkehr größer als für andere Formen des Geschlechtsverkehrs. Die Forscher erfassten mehr Fälle von Vaginalsex als von Analsex, deshalb sind Aussagen zum Analverkehr bisher nicht so genau wie die zum Vaginalverkehr.

"Keinesfalls sollen unsere Ergebnisse zu ungeschütztem Verkehr auffordern", so van Lunzen, der den Bereich Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf leitet. In erster Linie gehe es darum, das Ansteckungsrisiko deutlich zu senken - die Studie zeigt, dass dies gelingen kann. Am Ende stehe jedoch immer die individuelle Entscheidung der einzelnen Paare. (APA, derStandard.at, 3.6.2014)

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