Baumax werkt an Kroatien-Lösung

3. Juni 2014, 10:21
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Die Baumarktkette strebt in Kroatien einen Ausgleich an, um den Gläubigern einen Verzicht abzuringen

Wien – Die Sanierung von Baumax gewinnt an Fahrt. Etwas überraschend wurde in Kroatien die Form eines Ausgleichs gewählt. Das Land zählt ebenso wie die Türkei, Rumänien, Bulgarien und Slowenien zu den Märkten, in denen ein Rückzug der Baumarktkette erwartet wird. Der Konzern leidet unter eine Schuldenlast von rund einer Milliarde Euro. Dazu kommen hohe Verluste in den vergangenen Jahren. Genaue Angaben über Standortschließungen oder die Aufgabe ganzer Länder macht Baumax allerdings nicht.

Auch in Kroatien werden nur allgemeine Auskünfte erteilt. So soll der normale Betrieb aufrechterhalten werden, erklärte eine Sprecherin. Gehälter und Verbindlichkeiten würden ganz normal weiterbezahlt. Laut kroatischen Medien hat die lokale Gesellschaft umgerechnet 57,2 Millionen Euro Schulden. An acht Standorten werden 486 Mitarbeiter beschäftigt. Der Markt gilt als schwierig. Die deutsche Kette Obi und die französische Bricostore haben bereits dichtgemacht. Von den großen Händlern gibt es nur noch die deutsche Gruppe Bauhaus und die kroatische Pevec, die bereits einen Konkurs hinter sich hat.

Das Restrukturierungs- oder Vorkonkurs-Ausgleichsverfahren in Kroatien sieht unter anderem vor, Sperren von Konten zu verhindern, um kurzfristige Verbindlichkeiten und Gehälter bezahlen zu können. In weiterer Folge geht es bei dem kürzlich beantragten Verfahren darum, sich mit den Gläubigern auf den Verzicht eines Teils der Forderungen zu einigen, um die Fortführung des Unternehmens sicherzustellen. Das hieße demnach, dass Baumax weiter in Kroatien tätig sein müsste.

Rückzug liegt in der Luft

Beobachter gehen trotz der unklaren Situation davon aus, dass sich die Heimwerkerkette aus Kroatien und den anderen genannten Ländern zurückziehen wird. Die Zurückhaltung in der Kommunikation hänge demnach damit zusammen, dass man sich in den Verhandlungen über Schließungskosten nicht in die Karten blicken lassen wolle, um die eigene Position nicht zu verschlechtern. Sollten sich diese Spekulationen bewahrheiten, bliebe Baumax in Österreich und in seinen osteuropäischen Nachbarländern bestehen. Allerdings wird selbst in diesem Fall erwartet, dass die Gruppe einen Investor benötigt.

Erschwert wird der Rückzug von hohen Haftungen der Gruppe für die Auslandstöchter in Höhe von 402 Mio. Euro, wie Profil im April dieses Jahres berichtete. Bei einem Ausstieg aus den jeweiligen Märkten drohen die Haftungen schlagend zu werden. Das Gefüge ist relativ komplex, weil es unter den 35 finanzierenden Banken unterschiedliche Interessenlagen und Sicherheiten gibt. Erschwert wird die Situation durch langfristige Miet- und Leasingverträge. Auch hier können Schließungen nur im Zuge langwieriger Verhandlungen vorgenommen werden.

Zudem muss die Eigentümerfamilie Essl im Gegenzug zu einem Verzicht der Banken einen Beitrag leisten. Bei diesem kommt die Sammlung Essl ins Spiel, die ursprünglich dem Bund angedient worden war. Wie berichtet wurde der Plan abgelehnt und ein Verkauf an private Investoren eingeleitet. Details dazu werden keine bekanntgegeben. Zuerst gilt es, den Wert der Sammlung zu aktualisieren. Die Auktionshäuser Sotheby’s (London) und Dorotheum (Wien) wurden bereits mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. (as, APA, DER STANDARD, 4.6.2014)

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