Vom AMS in die Schuldenfalle

2. Juni 2014, 21:24
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Viele Arbeitslose kämpfen mit Geldproblemen, in der Schuldnerberatung waren 2013 so viele Menschen wie nie zuvor

Wien - Im Vorjahr waren so viele Menschen in der Schuldnerberatung wie noch nie zuvor. Im Vergleich mit dem Zeitraum vor der Krise sind 15.000 Personen dazugekommen, die meisten von ihnen sind arbeitslos. Insgesamt haben über 56.000 Personen Hilfe gesucht. "Die meisten kommen erst dann, wenn sie schon massiv überschuldet sind", sagt Katharina Malzer von der Schuldnerberatung Oberösterreich im Gespräch mit dem Standard.

Sie versucht, Klienten zuallererst einmal eine Übersicht über ihre Finanzlage zu verschaffen. "Briefe werden oft nicht mehr geöffnet, die Türe bleibt aus Angst vor dem Gerichtsvollzieher zu", sagt Malzer, die seit über 25 Jahren Menschen in Finanznot berät. Meistens sei der einzige Ausweg aber der Privatkonkurs. Und da beginnt in Österreich gleich das nächste Problem, geht es nach Hans Grohs, dem Chef der Dachorganisation der österreichischen Schuldnerberatungen.

Schuldenfrei nach sieben bis zehn Jahren

Erst nach sieben bis zehn Jahren wird man in Österreich von seinen Schulden befreit, und auch dann nur, wenn man mindestens zehn Prozent zurückbezahlt hat. Das sei viel zu lang, so Grohs am Montag vor Journalisten, und was den Prozentsatz betrifft, gebe es eine ähnliche Regelung nur in Tschechien, sonst nirgends. Seine Forderung: weg damit. Bei der Wirtschaftskammer ist man anderer Meinung. Um dem Missbrauch nicht Tür und Tor zu öffnen, sei die Klausel sehr wohl sinnvoll. Sonst würde das Grundprinzip, dass Schulden zurückbezahlt werden müssten, gebrochen.

Neben dem Verlust des Jobs sind gescheiterte Selbstständigkeit und der schlechte Umgang mit Geld Gründe für das Zuschnappen der Schuldenfalle, geht aus dem Schuldenreport 2014 hervor. "Als ich vor 25 Jahren mit meinem Job angefangen habe, waren wir nur drei Leute. Heute sind wir 30" , sagt Schuldnerberaterin Malzer. Heute gebe es viel mehr Möglichkeiten, Geld auszugeben, das man nicht habe.

Beispiel dafür seien Angebote, den Fernseher etwa auf Raten zu bezahlen. Um künftig mehr Menschen den Weg zur Schuldnerberatung zu ersparen, will die Regierung jetzt mit vorbeugender Budgetberatung ansetzen. Oberösterreich gilt als Vorbild, ein Plan für eine österreichweite Umsetzung existiert aber noch nicht. (sat)

(sat, DER STANDARD, 3.6.2014)

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    foto: apa/jens kalaene
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