Wirbel vor Streik bei Italiens Rai: Sparen "ein Muss"

2. Juni 2014, 17:30
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Grund für den Protest von rund 11.000 Mitarbeitern sind geplante Ausgabenkürzungen von 150 Millionen Euro

Mailand - Italiens Staatsfernsehen Rai hat für 11. Juni einen Streik angekündigt. Erstmals in der Rai-Geschichte wird gegen die Regierungspolitik gestreikt. Grund für den Protest von rund 11.000 Mitarbeitern, davon sind 1.700 Journalisten, sind geplante Ausgabenkürzungen von 150 Millionen Euro. Regierungschef Matteo Renzi hat den von den Gewerkschaften angekündigten Streik als "unglaubwürdig und demütigend" bezeichnet. Wenn alle Italiener den Gürtel enger schnallen, dann müsse auch das Staatsfernsehen sparen. Noch ist nicht sicher, ob der Streik rechtmäßig vertretbar sei. Darüber soll in den nächsten Tagen entschieden werden. Inzwischen gibt es auch Stimmen, etwa beim Nachrichtensender Rai 3, wonach der Streik ungerechtfertigt sei.

Die Ausgabenkürzungen erfolgen auf Anraten des Sonderkommissars Carlo Coltarelli. Coltarelli hat vorgeschlagen, Kürzungen bei den regionalen Rai-Filialen vorzunehmen. Rai nimmt jährlich 1,7 Milliarden Euro über TV-Gebühren ein. Ein Ausgabenschnitt von 150 Millionen sei vor dem Hintergrund eine Bagatelle, eine Reorganisation der sündhaft teuren regionalen Vertretungen ein "Muss", heißt es in Finanzkreisen.

Problem ist, dass bei dem politisch aufgespaltenen Rai jegliche Sparmaßnahmen "gerecht" verteilt werden müssen. Rai hat 2013, nach mehrjährigen Verlusten, einen Gewinn von fünf Millionen Euro geschrieben. (tkb, DER STANDARD, 3.6.2014)

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