AMS bräuchte mehr Geld und Personal

2. Juni 2014, 21:25
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Mit der steigenden Arbeitslosigkeit werden Engpässe finanzieller und personeller Natur beim AMS immer sichtbarer, meinen Experten

ien - Das Arbeitsmarktbudget wurde angesichts der steigenden Zahl Jobsuchender zwar aufgestockt, trägt der angespannten Situation aber nicht ausreichend Rechnung. So lässt sich die Einschätzung der Lage durch Arbeiterkammer-Experte Gernot Mitter zusammenfassen. Im Gespräch mit dem Standard kritisiert er, dass frische Mittel für Ältere deutlich hinter den Plänen im Regierungsabkommen zurückbleiben.

Demnach seien in den Jahren bis 2016 rund 430 Millionen Euro für über Fünfzigjährige veranschlagt worden, die beispielsweise mit speziellen Eingliederungshilfen in den Arbeitsmarkt reintegriert werden sollen. Im Budgetrahmen wurden die Mittel auf 350 Mio. Euro zusammengestrichen. Zudem stört Mitter die Festlegung, welche Programme mit wie viel Geld auszustatten sind.

Aus seiner Sicht wäre eine unterschiedliche, flexible Dotierung je nach Situation in den Bundesländern wünschenswert, erklärt der Experte. Bei der Schwerpunktaktion für Ältere (50+) wurde hingegen festgelegt, dass 60 Prozent des Budgets für Eingliederungsbeihilfe und Kombilohn, 40 Prozent für den zweiten Arbeitsmarkt (Jobs für Personen, die nicht am Arbeitsmarkt vermittelbar sind) vorgesehen sind.

Steigende Belastung beim Personal

Als zweites zentrales Problem am Jobmarkt sieht Mitter die steigende Belastung der Arbeitsmarktservice-Mitarbeiter. Zwar sei das Personal in den letzten Jahren aufgestockt worden, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie zusätzliche Aufgaben - beispielsweise die Abwicklung der Mindestsicherung - hinzugekommen seien. "In manchen Bundesländern stehen pro Arbeitslosen und Monat unter zehn Minuten für persönliche Beratung zur Verfügung", erklärt der Arbeitsmarkt-Experte. Das sei für eine qualitativ ansprechende Betreuung der Arbeitssuchenden nicht ausreichend. "Eine zusätzliche Aufstockung beim Personal ist dringend notwendig", meint Mitter.

Zu tun gibt es für die AMS-Leute jedenfalls genug. Gerade die bekannten "Problemgruppen" am Arbeitsmarkt - Niedrigqualifizierte und Ältere - sind von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen, die im Mai auf 7,7 Prozent angestiegen ist. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg im Vorjahresvergleich um 48,8 Prozent auf knapp 90.000 Personen. Damit ist schon fast jeder vierte Arbeitslose länger als ein Jahr ohne Job.

Besonders stark von der schwachen Konjunktur betroffen sind zudem Ausländer, bei denen die Zahl der Jobsuchenden um 27,3 Prozent auf mehr als 73.000 Personen stieg. Ebenfalls massive Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt haben Ältere (über 50), von denen im Mai 23 Prozent mehr als im Vorjahr eine Stelle suchten. Nach Branchen hat sich die Lage am Bau, im Tourismus und für Leiharbeiter besonders verschärft. Auch die Warenproduktion schwächelt. Regional betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit in Wien am stärksten. (as)

(as, DER STANDARD, 3.6.2014)

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