Enttäuschte Hoffnungen im Jahr 2000

3. Juni 2014, 05:30
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Der Aufstand in Syrien kam zehn Jahre nach dem Ende des "Damaszener Frühlings"

Hafiz al-Assad war 70, als er 2000 nach fast dreißigjähriger Präsidentschaft überraschend starb. Hatten manche Beobachter in den Jahren zuvor bezweifelt, ob der Sicherheitsapparat den 34-jährigen Bashar - für den das verfassungsmäßige Alter für die Präsidentschaft heruntergesetzt werden musste - akzeptieren würde, zeigte sich, dass der Wille des Alten immer noch Befehl war: Wie am Schnürchen funktionierte die Beförderung des jungen Assad ins Amt.

Mit Bashar al-Assads Antritt waren große Hoffnungen verbunden, die er zuerst einzulösen schien. Da er erst nach dem Unfalltod seines Bruders Basil 1994 zum Nachfolger seines Vaters aufgerückt war, kannte er auch das Leben außerhalb des Apparats: Bashar hatte Medizin studiert und war dabei, sich als Ophtalmologe zu spezialisieren. Er heiratete außerhalb seines Kreises, die Bankerin Asma al-Akhras (die heuer 39 Jahre alt wird), die er in London kennengelernt hatte. Sie waren ein modernes Paar, das keine Berührungsängste zu haben schien. Ein allgemeiner Modernisierungsschub setzte ein - aber nicht oder nur für kurze Zeit auch in der Politik.

Zu Beginn hatte es gut ausgesehen: Politische Dialogforen wuchsen aus dem Boden, im September 2000 wurde von einer Gruppe von Intellektuellen das "Manifest der 99" verabschiedet, in dem ein Ende des Ausnahmezustands und mehr Rechte und Freiheiten gefordert wurden. Tatsächlich wurden im "Damaszener Frühling" hunderte politische Häftlinge freigelassen. Aber bereits 2001 machte Assad wieder zu. Damals hieß es, er folge auch Druck aus der Familie. Es ist wohl richtig, dass Bashar in den ersten Jahren auch im internen Kreis seine Macht erst konsolidieren musste.

Irak und Libanon

Zwei äußere Faktoren haben gewiss negativ mitgespielt: erstens die US-Invasion im Irak 2003, von der sich Assad akut bedroht fühlte, weswegen Syrien den Zustrom von Jihadisten in den Irak zuließ, um dort die USA zu schwächen. Zweitens die - von Damaskus mitverursachte - Zuspitzung zwischen dem pro- und dem antisyrischen Lager im Libanon, die 2005, nach der Ermordung von Rafik al-Hariri, mit dem Abzug der syrischen Truppen endete. Die externe Schwächung gab das Regime als internen Druck weiter.

Von König Abdullah von Saudi-Arabien bis zu US-Präsident Barack Obama bemühten sich in den Jahren vor dem Aufstand in Syrien viele darum, Assad auf ihre Seite zu ziehen - und ihn vor allem aus der Umarmung des verbündeten Iran zu lösen. Der türkische Premier Tayyib Erdogan, aber auch Katar, schenkten ihm besonders viel Aufmerksamkeit: Sie wollten ihn mit der in Syrien verbotenen Muslimbruderschaft versöhnen.

Dass Assad sich allen Avancen verschloss, führte dazu, dass der zuerst sehr zögerliche Ausbruch von Protesten im Frühjahr 2011 von äußeren Akteuren für ihre eigenen Agenden genützt wurde: Saudi-Arabien, Katar, die Türkei waren die stärksten Unterstützer der Rebellion - die Islamisten und Jihadisten vom Schlag Al-Kaidas anzieht, nicht zuletzt wegen der ursprünglichen Konfessionsangehörigkeit der Assads zum heterodoxen Alawitentum. (guha)

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